Wen ich wähle

Es ist eine ungewöhnliche Wahl. Zum ersten Mal in Österreich besteht am kommenden Sonntag zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass ein FPÖ-Vertreter an die Spitze des Staates kommen könnte.

Üblicherweise ist es ja so, dass Journalisten ein großes Geheimnis daraus machen, wie sie wählen. Neutralität in der Berichterstattung und so weiter. Mir persönlich ist das Wahlgeheimnis, dessen Existenz ich natürlich für gut und wichtig und richtig halte, in Bezug auf meine Person vollkommen egal. Meine Freunde wissen alle, wen oder was ich früher immer gewählt habe, welcher Person oder welchen Parteien meine Sympathien galten oder gelten. Und wenn mich jemand fragt, sage ich das auch immer frei heraus. Öffentlich aber nicht, und hier im Blog schon gar nicht. Doch diesmal könnte es wirklich angebracht sein, eine Ausnahme zu machen.

Falls Sie jetzt „Äquidistanz!“ rufen: Die bleibt gewahrt. Ich schreibe bis Sonntag nichts über die Bundespräsidentenwahl, weder im trend noch sonst wo. Auch halte ich es mit Irmgard Griss und anderen aufgeschlossenen Menschen: Wahlempfehlungen sind unnötig. Wer in der Lage ist, zu wählen, sollte auch in der Lage sein, sich selbst eine Meinung zu bilden, wie er wählt. Bevormundung braucht es nicht. Also: keine Wahlempfehlung. Da würde ich mich in meiner Bedeutung ohnehin schwerst überschätzen. Also auch kein Äquidistanz-Problem. Aber ich will mir nach dem 22. Mai nicht vorwerfen lassen, dass ich still gehalten habe in einer Sache, in der man als Staatsbürger nicht stillhalten darf, weil es diesmal wirklich um was geht.

Also sage ich Ihnen ausnahmsweise, wen ich am Sonntag wählen werde, obwohl mir der Mann eigentlich nur eingeschränkt taugt: Alexander Van der Bellen. Natürlich.

Und ich sage Ihnen auch, warum ich das tun werde – ich übernehme dabei einfach die beeindruckende Formulierung unseres neuen Bundeskanzlers, als er heute sagte, warum er sich künftige Kooperationen lieber nicht von Blauem kontaminieren lassen möchte:

Ich wähle Alexander Van der Bellen, weil ich keine Angehörigen oder Vertreter von Parteien wähle, die gegen Menschen und Minderheiten hetzen. Punkt.

Bildschirmfoto 2016-05-21 um 12.48.23P.S. Manche Dinge muss man wissen, um sie tun zu können – und weil es sich gut trifft, dass das mein Job ist, informiere ich Sie: Man muss nicht durch Sympathiekundgebung per Kreuz wählen, man kann es auch tun, indem man seiner Abneigung durch Streichung eines Namens Ausdruck gibt. Sollte es jemand also überhaupt nicht übers Herz bringen, sein Kreuzerl bei Van der Bellen zu machen, geht es auch so – einfach Hofer durchstreichen. Gilt als Stimme für Van der Bellen.

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