Zu Hause bei Trump

Bevor Sie enttäuscht sind: Es geht nicht um Donald Trumps geschmacksbefreite Wohnetage in seinem New Yorker Trump Tower. Darüber haben wir ohnehin schon in diversen Reportagen verschiedenster US-Magazine gelesen, haben schrille bis kitschig-schaurige Videos auf YouTube geliefert bekommen, skurrile Bilder gesehen, und mehr. So genau wollen wir wahrscheinlich gar nicht wissen, wie Trump bisher gewohnt hat. Man kann als eleganter Mensch schließlich nicht alles ertragen.

Trotzdem, ich war schon einmal bei Donald Trump zu Hause. Mehr oder weniger. Und jetzt erzähle ich Ihnen davon. Sie können ja eh noch schnell wegklicken, bevor es zu spät ist und Sie irreparable Schäden in Ihrem Oberstübchen befürchten.

2013 also, im Mai. Der schottische Tourismusverband hatte mich mit einigen Kollegen nach Gleaneagles eingeladen, um dort die Vorbereitungsarbeiten für den kommenden Ryder Cup zu begutachten, den großen, traditionsreichen Golf-Kontinentalvergleich zwischen Europa und den USA. Zur Abrundung gab es danach einige Tage in der Region Royal Deeside, um auch dort Golfplätze zu besichtigen. Bist du in der Gegend um Aberdeen, musst du dir dort natürlich die tollen Linksgolfplätze ansehen, die sich im Norden der Stadt aneinander reihen wie Perlen an einer Schnur. Alle alt, alle voller gewachsener Tradition, umrankt von versponnenen Geschichten, alle wunderschön, schwer zu spielen, alle in der einen oder anderen Weise eine ganz spezielle Portion good old Scotland.

trumpfairwayBis auf einen. Er gehört Donald Trump. Die Tycoon hat ihn vor wenigen Jahren erst in die strengst geschützte Naturlandschaft der Nordsee-Dünen baggern lassen. Rücksicht gab es dabei keine, bis nahe an die Zwangsenteignung mancher Grundbesitzer soll die Sache gegangen sein. Warum die schottischen Behörden Trump erlaubten, was nicht einmal Einheimische dort noch dürfen, nämlich im geschützten Linksland zu bauen und schwere Erdbewegungen zu vollziehen, man weiß es nicht. Wollen wir der Höflichkeit halber einmal nicht annehmen, dass Geld im Spiel gewesen sein könnte, das auf nur halblustige Weise den Besitzer gewechselt hat. Jedenfalls: der Golfkurs existiert. Und natürlich ist er golferisch einfach super, ein Linkskurs vom Allerfeinsten. Man merkt, dass hier an nichts gespart wurde. Ich will das nicht im Nachhinein beschönigen, ich stand zum Beispiel oben in der Teebox von Loch 14, sah hinunter auf das Fairway weit vorne, spürte von rechts den Salzwind der Nordsee, sah vor mir das hohe Gras wehen wie ein goldgrünes Weizenmeer, und war begeistert. Es war einfach wunderschön. Das Foto oben kann das bei weitem nicht in jener Pracht widergeben, in der sich das Geschehen vor mir ausbreitete. Man konnte vor lauter Wunderwelt – für Golfer natürlich nur – für einen Augenblick tatsächlich vergessen, dass das alles diesem Protz-Klotz gehörte, der nun womöglich die ganze Welt ins Chaos stürzen wird.

Aber jetzt zum Home of The Donald.
macleodhouseTrump hat am Gelände auch ein Hotel bauen lassen. „MacLeod House“ heißt es, und von außen sieht man ihm seinen inneren Wahnsinn nicht an. Es geht das gerücht, der von Deutschen Auswanderern abstammende Trump habe dazu eigens eine schottische Urururgroßmutter oder so aus irgendwelchen Archiven ausgegraben, die nur er kennt, damit das niemand so genau überprüfen kann. Kannst du nicht auf schottische Wurzeln verweisen, darfst du dort nämlich nicht bauen.

Jedenfalls, MacLeod House ist auf schottisch-alt getrimmt, gar nicht einmal allzu groß, es sieht sogar durchaus ein wenig schnuckelig nach schroffer Highland-Trutzburg aus. Aber innen, frage nicht. Die Heizkörper? Vergoldet, ehrlich. Die Bettwäsche? Mit Trump-Logo versehen und selbstverständlich auch noch mit glänzenden, vergoldeten Nähten. Die Nachttischlamen? Vergoldet. Das ganze Haus ist ein Tempel für best of hässlich. Völlig geschmacksbefreit. Aus dem Rahmen fallen irgendwie nur die Feuerlöscher. Wollen Sie wissen, warum? Nun, die sind nur versilbert, The Donald muss da irgendwie nicht richtig gut drauf gewesen sein, als er sie in Auftrag gab. Trump wohnt hier, wenn er gerade in der Nähe ist. Das ganze Hotel wird dann ein bissl gesperrt, damit der Chef genug Platz hat. Ich durfte einen Blick in jenes Zimmer werfen, in dem Trump schläft. Ich habe sogar sein Bett fotografiert, Sie sehen das unten und Sie sehen: Gold auch hier. Überall. Und schwerstes Dunkelstbraun.

trumpbettAls ich dort war, gab es im ganzen Hotel keinen einzigen Gast. Der Grund: In zwei oder drei Tagen hatte sich der Besitzer für eine Stippvisite angekündigt, und wie gesagt, da wird dann alles für Außenstehende verriegelt, um Vorbereitungen treffen zu können. Ohne Gäste hatte das Personal ein wenig Luft und führte ausnahmsweise mich und die paar Kollegen herum. Freundlich beantwortete man Fragen, alles sehr nette Leute, ehrlich. Nur wenn man wissen wollte, wie der schwerreiche Chef denn so sei, gab es irgendwie Herumgedruckse. Manche warfen sogar schnelle Blicke über die Schulter, als ob sie Nachschau hielten, ob da irgendwie ein verstecktes Mikrophon oder eine verbaute Kamera … Sie beließen es dann bei einem vorsichtigen Rollen der Augen, implizite Botschaft: „Um Gottes Willen“. Man offerierte Champagner, aber weil ich den Verdacht hatte, der könnte auch vergoldet sein, trank ich ein Mineralwasser. Man ist ja doch eher ein Freund seines Verdauungstraktes.

Später dann das Clubhaus der Golfanlage: schön, geräumig, viel helles Holz, insgesamt erstaunlich unprätentiös und von Protz keine Spur. Ich kenne in Österreich zwar nur eine Handvoll Clubs, die ein vergleichbar schönes Verwaltungszentrum haben – aber angesichts der sonstigen Trump´schen Prahlerei schien mir das angenehm normal zu sein, einfach nur groß und schön. Verwundert und erfreut gab ich dem Clubmanager, einem Schweden, zu verstehen, dass ich das irgendwie pompöser befürchtet hatte.

Oh, sagte er nur und ich weiß nicht, ob er dabei lächelte oder die Mundwinkel in schierer Verzweiflung hochzog.

Das hier, ließ der Mann mich wissen, sei nur das Provisorium, bis man mit dem Bau des richtigen Clubhauses beginnen dürfe, errichtet für höchstens zwei oder drei Jahre. Die endgültige Heimat des Golfclubs werde dann durchaus ein wenig, nun ja, ausladender ausfallen. Er zögerte und fügte noch hinzu: Und wohl auch ein wenig weniger bescheiden. Auch er rollte die Augen, warf einen kurzen Blick nach oben, in den wolkenverhangenen schottischen Himmel, und ich wusste, dieser Mann leidet ebenfalls sehr unter den Attitüden von The Donald.

bildschirmfoto-2016-11-11-um-11-46-19Inzwischen, so hörte ich, ist das neue Clubhaus längst fertig. Es entspricht, berichtete man mir, nun sehr wohl dem Geschmack seines Besitzers. Schade eigentlich, denn ich werde da jetzt eher nicht mehr zum Golfspiel hinfliegen wollen.

Oh, und nur falls Sie glauben, das mit den goldenen Heizkörpern war übertrieben. Nichts da. Wir haben es schließlich mit Donald Trump zu tun. Selbstverständlich habe ich ein Foto gemacht.

Schauen Sie mal.

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