Was Menschen tun

Ich traf das gegensätzlichste Paar Berufsausübender, das man sich nur vorstellen kann:

Der eine verursacht Menschen Schmerz und tut das auf eine so exemplarisch herzlose Weise, dass es einem Tränen der Entrüstung in die Augen treiben könnte, wenn die Sache nicht gar so skurril wäre. Die andere wiederum lindert den Schmerz der Menschen, indem sie Einfühlungsvermögen und Verständnis mit einer Zärtlichkeit an den Tag legt, wie das nur Leute mit ganz großem Herzen können. Ersteren verachtete ich nach dem Gespräch, Zweitere bewunderte ich.

Dass die beiden einander im wirklichen Leben tatsächlich und zufällig sogar schon einmal begegnet sind, ist eine andere Geschichte. Ich fand das im Zuge der Recherche heraus, aber das Aufeinandertreffen nahm wohl nur einen sehr kurzen Moment in Beschlag (was meines Erachtens ganz gut so ist) und spielte keine weitere Rolle, daher werde Ihnen ich diese kleine Geschichte einfach vorenthalten.

Aber ich erzähle Ihnen, warum ich mit den beiden Vertretern zweier sehr seltener – und im ersten Fall auch einer wohl sehr seltsamen – Berufsgruppen überhaupt sprach. Ich recherchiere gerade für den trend eine Geschichte über ungewöhnliche Berufe in Österreich – und unterhielt mich zu diesem Zweck in Wien eben auch mit einem Schlussmacher und in Salzburg mit einer Trauerrednerin. Man soll Sympathie und Antipathie bei der Arbeit ja beiseite schieben, aber ich verrate Ihnen dennoch, dass mir das Gespräch mit der fein ziselierten, freundlichen Trauerrednerin um ein Vielfaches angenehmer war als das mit dem schwer schrulligen Schlussmacher.

Jedenfalls habe ich zwei spannende Wochen hinter mir und ein paar ausgesprochen ungewöhnliche Menschen kennengelernt. Ich ließ mich zum Beispiel in Baden von einer Groschenromanautorin mit der Information über die Höhe des Honorars schockieren, das ein bekannter Verlag für eine 220.000 Anschläge lange Herz-Schmerz-Geschichte zahlt. Ich sag´s Ihnen voll des blankem Entsetzens: Wir Schreibenden, die wir nicht mit berühmten Namen und serienweise produzierten Bestsellern die Welt niederreißen oder sie als Star-Journalisten mit News beglücken, zählen zu den Ausgenutztesten. Eine Schande, wie viel so viele von uns können, und wie wenig sie dafür bezahlt bekommen.

Aber das nur am Rande, weil´s mir ein Anliegen ist, liebe Blog-Leser und Innen – gebt bitte mehr Geld für geschriebene Texte aller Art aus! Und lasst die Verlage wissen, dass ihr das tut, weil ihr das Können der Autoren und Autorinnen schätzt. Vielen Dank.

Jedenfalls, ich traf außerdem zum Beispiel auch noch einen Schuldiavisionär, einen Fährmann, einen Seerundfahrtskäptn, eine Algenzüchterin, einen Warmupper, einen Forsteinrichter – und andere Inhaber ungewöhnlicher Jobs. Manches von dem, was sie mir erzählten, fand ich beeindruckend, manches ging mir an die Nieren und einiges war mir sogar schlicht zuwider. Wie das halt so ist, wenn man sich von Lebenden über das Leben erzählen lässt. Echt faszinierend, was Menschen alles tun.

Den coolsten Job von allen habe aber eh ich. Weil ich darüber schreiben kann. Kein Schandhonorar der Welt wird mir das vermiesen.

Wenn Sie jetzt noch wissen möchten, wovon genau zum Beispiel ein Schlussmacher lebt, wovon ein Warmupper, womit ein Schuldiavisionär sein Tagwerk bestreitet und so weiter: Dann kaufen Sie sich bitte den nächsten trend, der am 31. März erscheint.

Aufmacherbild: Pixabay

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