Being am Meer

Bildschirmfoto 2017-07-04 um 22.01.51Ja, ich stehe gut im Training, denn ich schaue derzeit viel über Wasser. Zwar nicht über Salzwasser, sondern über den Mondsee, wo ich heuer mein viermonatiges Sommerquartier aufgeschlagen habe, was ich künftig jeden Sommer nicht nur zu wiederholen, sondern auf fünf Monate auszudehnen gedenke, Mondseeterrassenblick der außerirdischen Art inklusive. Im Prinzip ist es eh wurscht, ob Salz- oder Süßwasser, Wasser ist Wasser, wird es von mir beschaut. Trotzdem ist irgendwie halt Meer auch Meer. Beim Rausschauen gilt: besser Meer als See, besser See als Fluss, besser Fluss als gar nix. Ich merke das gerade, weil ich für drei Tage zum Arbeiten ins altösterreichische Abbazia abkommandiert wurde und mir so wieder klar wird, wie wichtig ein ordentlicher Salzwasserblick für die Psychohygiene ist. Im Blogpost „Auf´s Meer“ habe ich Ihnen davon bereits zur Genüge erzählt.

Zweifellos werden Sie jetzt denken, so einen Job müsste man haben. Ich sage dazu: Naja.

Gestatten Sie mir ein kurzes Lamento in Form eines Mini-Exkurses – es geht danach eh gleich weiter mit dem Aufsmeerschauen. Also: Als freier Journalist lebst du dank der einen oder anderen mehr oder weniger fixen Verpflichtung bei bekannten oder weniger bekannten Medien an sich eh so halbwegs vor dich hin. Aber finanziell sicher oder gar nachhaltig ist das nicht. Selbst lediglich arm wie eine Kirchenmaus, kenne ich Kollegen, die wissen überhaupt nicht mehr, woher sie die Marie nehmen sollen, um sich etwas zum Beißen zu beschaffen. Die Digitalisierung rafft herkömmliche Printmedien dank  immer noch seltsam resistenzunfähiger Chefredaktionen und Herausgeber dahin wie seinerzeit die Spanische Grippe zarte Ladies und Babies. Du lebst heutzutage als Schreiber im permanenten Zustand der schwerelosen Unsicherheit, musst dich durchaus ein bissl sorgen, woher du morgen noch dein täglich Brot nehmen sollst, bist gegenüber Herausgebern, Verlagschefs  und Chefreds in Honorarfragen auf geradezu beschämende Weise wehrlos, kurz: zitterst laufend ums Dasein. Da ist es nur gerecht, wenn du zum Ausgleich ab und zu einmal in eine schöne Gegend geschickt wirst und dort jobmäßig tun darfst, was alle Anderen im Urlaub tun, weil du das dann beschreiben musst.

Derzeit ich also: Opatija.

Für eine Geschichte, die Sie voraussichtlich Mitte Juli im dann frisch erscheinenden trend lesen können. Das trifft sich natürlich gut, weil ich seit dem vergangenen Jahreswechsel eh nie mehr aufs Meer geschaut habe, dafür aber wie gesagt sehr oft, sehr viel und sehr intensiv auf den Mondsee, der nun meiner ist, was total angebracht erscheint, weil Herkunft und Vorfahren und Ursprung und so weiter, doch das ist eine andere Geschichte für einen anderen Blogpost, der irgendwann folgen wird. Ich werde ihn vermutlich „Die Blaue Traube“ nennen, aber wir werden sehen. Sie müssen sich gedulden, bis ich in Stimmung bin.

Bildschirmfoto 2017-07-04 um 21.53.46In der Sekunde jedenfalls sitze ich auf der Terrasse meines Apartments im durchaus empfehlenswerten Miramar-Hotel direkt am Lungomare und: schaue aufs Meer. Ich sehe vor mir die Umrisse der Insel Cres, die mir ein bissl den Blick auf die Kvarner Bucht verstellt. Links davon macht Krk Ähnliches, nur ganz rechts im Blickfeld bleibt ein schmaler freier Kanal, durch den man sich, das Touristenörtchen Lovran rechts liegen lassend, auf die weitläufige Adria hinaus versetzen kann. Echter Durchblick geht anders.  Ein altes gelbes Hotel, schmal und hoch, früher einmal eine private Villa, trübt meine Aussicht zusätzlich. Bin ich ehrlich, muss ich sagen: Es gibt Besseres. Doch wie schon weiter oben angeführt: Meer ist Meer, einem guten Aufsmeerschauer wie mir reicht das, um sich geschmeidig zu fühlen.

Weil sonst im Moment nichts zu tun ist – die Hotelmanagerin treffe ich zum Gespräch erst in einer Stunde –, erzähle ich Ihnen daher, also geschmeidig, hier im Blog, was mein erster Eindruck von Opatija ist, ein Ort, an dem ich noch nie zuvor war. Zusammengefasst: eine schöne Stadt.

Opatija scheint ein Stück altes Österreich im besseren Sinn zu sein, ans Meer transferiert,  sozusagen die kleinere, ältere, österreichische Ausgabe der berühmten französischen Seebäder wie Biarritz oder Deauville, die gerade dabei ist, mit ausreichend Gefühl in die Jetztzeit geholt zu werden, ohne zu viel Tamtam, ohne unnützes Getöse, dafür aber mit einer gewissen Widerstandskraft gegen das übliche touristische Bling-Bling, ohne das nirgendwo mehr etwas geht. Den nervigen Glitter gibt es hier zwar auch, aber er konzentriert sich auf eine angenehm kurze Meile im Zentrum, wo sich Hüpfburgen, Eisstände, Tourist-Cruises-Läden, Spielhallen und genauso überteuerte wie schlechte Restaurants gegensetiig überwuchern. Schrecklich zwar, aber verkraftbar, weil eben mit Maß und Ziel.

Bildschirmfoto 2017-07-04 um 21.49.29Davon abgesehen ist Opatija, wobei ich den altösterreichisch-italienischen Namen Abbazia eigentlich bevorzuge, eine sehr pittoreske Mischung aus alt, renoviert, verkommen, neu, bunt, grau, wild und ruhig. Es gibt viel Schönes und nur wenig Hässliches. Wer alte Fassaden mag, wird es hier gut finden. Saturierte Grand Hotels von früher in allen Größen, manche renoviert, manche noch nicht, matchen sich am zwölf Kilometer langen Lungomare mit Villen, die ihre besten Zeiten hinter sich haben, und solchen, denen coole Architekten sie inzwischen wieder antrainiert haben. Es gibt schöne alte Parks. Es gibt unglaublich coole neue Bars. Eine dem Anschein nach ganz besonders feine, das „Angiolina Re-, Sea & Dance“, öffnet demnächst. Es gibt Restaurants, denen du schon im Vorbeigehen ansiehst, dass sie exquisit sind. Aber es gibt auch Fresstaurants, da weißt du, du taumelst besser nicht hinein, weil sonst Magenverstimmung.

Bildschirmfoto 2017-07-04 um 21.51.52Jedenfalls: schöne alte Villen, soweit das Auge reicht und ohne Ende. Man könnte sie im Dutzend fotografieren, ich zeige Ihnen hier nur eine stellvertretend für viele.

Und die Menschen? Ich will ehrlich sein. Ich gebe dem geölten Schick, dem schmeichelnden Style des Italienischen im Prinzip den Vorzug vor der Rohheit und Rüpelhaftigkeit des Kroatischen, das mir ein wenig zu nahe an der oft menschenverachtenden Robustheit des Balkans liegt. Trotzdem, hier in Abbazia sind die Kroaten eigentlich manierlich, freundlich. Die ärmelfreie Ruderleiberldichte im Feinrippdesign über Jogginghose hält sich in Grenzen. So sehr sogar, dass man von Dichte gar nicht mehr sprechen kann. Und die Touristen? Nun ja. Touristen sind überall Touristen. Aber hier mischen sich mit kiloschwerer Schminke bemalte alte Damen, schicke Glitzermädels jeden Alters, geschmackvoll ausstaffierte Wohlhabende, lässige Traveller ohne übers Reisen hinaus gehendes Anliegen und Familien mit Kindern, die sparen müssen, zu einem eh recht angenehmen Konglomerat des Kosmopoliten. Bei meinem gestrigen abendlichen Marsch über den Lungomare hörte ich Niederländisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, viel Kroatisch natürlich oder Serbisch oder Slowenisch, was weiß ich, ich kann das nicht so gut auseinander halten, und vor allem selbstverständlich Österreichisch en masse. Ich meine außerdem, herausgehört zu haben, dass tendenziell mehr Niederösterreicher als Steirer in Abbazia urlauben, mehr Oberösterreicher als Tiroler, und durchaus auch ein gerüttelt Maß an Kärntnern. Was immer das bedeuten mag. Überflüssig zu erwähnen, dass selbstverständlich haufenweise Deutsche vor Ort sind, weil haufenweise Deutsche immer und überall vor Ort sind, am wenigsten wahrscheinlich noch in Deutschland, im Sommer zumindest.

So, das alles wollte ich ihnen eigentlich nur so erzählen, während ich am Meer bin und hinaus schaue auf das Wasser, das wie gesagt in maximal 20 Kilometern Entfernung von Cres verdrängt wird. Und falls Sie das nicht ohnehin selbst schon bemerkt haben: Abbazia, also Opatija, gefällt mir. Eine wirklich empfehlenswerte kleine Stadt, ein wunderbares Stück altes Österreich im vergleichsweise noch jungen Kroatien. Und wohnen Sie im Miramar, wenn Sie hier sind, österreichisch geführt von einer Kärntnerin und salzburgerisch besessen von einer Hoteliersfamilie aus Zell am See.

Mehr? Im trend. Ich gehe jetzt weiter trainieren.

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