I live by the lake (1)

Sehr unterhaltsam ist immer das Wochenende.

Eine Melange. Salzburger, die heraus an den Mondsee pilgern, um zu baden. Touristen, die aus den Campingplätzen und Pensionen in den öffentlichen Raum strömen, um Touristen zu sein. Omis auf E-Bikes. Opis auf E-Bikes. Asylsuchende aus weiß Gott welcher Unterbringung in der Nähe, die entweder misstrauisch den See beäugen (Nichtschwimmer), gleichgültig die Ufer versauen (andere Kultur, wir müssen das halt verstehen, die werfen zu Hause vielleicht auch alles einfach von sich, was so anfällt) oder in voller Montur dann doch ins Wasser springen (zumindest die Frauen, während ihnen die Männer vom Ufer Kommandos zubrüllen, denen sie brav folgen). Einheimische auf der Flucht vor all dem oder beim Geschäfte machen mit all dem. Hundebesitzer mit Hunden ohne Leine. Jogger. Echte Radfahrer auf echten Rädern, bunt kostümiert und wild bebrillt. Motorradfahrer auf Motorrädern, so laut wie ein Gewitter. Wasserskifahrer am Weg zur großen Wasserskishow für die Sommergäste. Sommergäste am Weg zur großen Wasserskishow der Einheimischen. Fischer mit dem bösen Blick für alle Schwimmer, die ihnen ihr Fischwasser kreuzen. Segler, die segeln können und Segler, die nicht segeln können. Heitere Urlauber in Elektrobooten, die nicht Elektrobootfahren können. Und noch viel mehr.

Bildschirmfoto 2017-07-23 um 14.11.18Ich sitze dann meistens auf der Terrasse, trinke ein Bier oder einen Campari Soda, und sehe dem Treiben unter mir zu, am See und auf der Uferpromenade. Baden ist nur unter der Woche schön, weil dann genug Platz ist. An Sonntagen sind die Kies-Uferstreifen an den Kienbergwänden, wo die feinsten Stellen zum Schwimmen sind, mit Plastikmüll zugedeckt, weil die Asylsuchenden, die sich hier als Großfamilien ausbreiten, nichts vom halben Hausrat, den sie jeweils mitbringen, auch wieder mitnehmen, sondern alles einfach da lassen. Irgendein Reinigungsdienst kommt dann aber in der Nacht dem Anschein nach, denn Montag in der Früh ist wieder alles sauber und das Baden wunderbar.

Einschub. Nur, falls Sie jetzt zum Vorwurf ansetzen, ich sei fremdenfeindlich: Schwachsinn. Ich bin der Meinung, dass Österreich mit den Flüchtlingen auf beschämende Weise desaströs umgeht und dass wir verantwortungslose Politiker wie Sebastian Kurz, Wolfgang Sobotka oder Hans Peter Doskozil sofort und umstandslos ins Ausgedinge schicken sollten. Diese ganzen blauen Typen sowieso. Wir müssten mehr und besser und effizienter und großzügiger helfen. Das können wir uns locker leisten. Ich bin außerdem der Meinung, dass jeder, der auf der Flucht vor Krieg oder Verfolgung ist, in Österreich einen Platz finden, aufgenommen werden und dass ihm nach Kräften geholfen werden sollte. Auch wer einfach ein besseres Leben sucht, hat jedes Recht dazu und soll kommen dürfen. Aber er muss über die Voraussetzungen verfügen oder sie sich anzueignen willens und in der Lage sein, das bessere Leben auch finden zu können. Wer es hier nicht findet, soll wieder gehen müssen. Wer sich weder mit dem Erlernen der Sprache noch mit der respektvollen Anpassung an die Kultur dort, wo er sich ein besseres Leben erhofft, belasten möchte, den sollten wir in die Schranken weisen. Wer davon ausgeht, dass die andere Kultur sich an ihn anzupassen und ihm zu geben hat, worüber sie eben so verfügt, vor allem ein besseres Leben ohne eigenes und womöglich anstrengendes Zutun, mit dem möchte ich mich nicht auseinandersetzen müssen und dem möchte ich auch nichts geben – weder mein Steuergeld noch eine Aufenthaltsmöglichkeit in meinem Land.

Und glauben Sie es oder glauben Sie es  nicht: Ja, tatsächlich nehmen die Österreicher, die hier an den Mondseeufern zwischendurch auch noch Platz finden, ihren Müll wieder mit, wennn sie gehen, ich habe das an vielen verschiedenen Tagen beobachtet. Wie Schweine scheinen sich hier nur erstens die Asylsuchenden und zweitens die Campingmobil-Besitzer vor allem aus Osteuropa zu verhalten. Erstere, weil sie wirklich jedes Mal einen unglaublichen Saustall hinterlassen, wenn sie wieder abziehen. Und Zweitere, weil sie an den Stränden bis spät am Abend parken, obwohl es verboten ist, und weil sie, wenn sie dann fahren, den Platz nur mit ihrem ebenfalls um den halben Müll erleichterten Gefährt wieder verlassen.

Bildschirmfoto 2017-07-23 um 14.56.42Trotzdem, das Leben am See ist wunderbar. An Sonntagen habe ich das volle Cinemascope-Breitbild bunten Geschehens vor mir: Segel- und Elektroboote liefern sich kleine Fast-Karambolagen, weil die E-Boot-Mieter nicht wissen, dass sie Nachrang haben, und weil sie vor lauter Ah´s und Ooooh´s beim Anblick der Drachenwand das eine oder andere Mal auf das Lenken vergessen. Wahrscheinlich herrscht an Wochenenden, wenn alle kommen und alle mit allem, was sie haben, ins Wasser wollen, insgesamt einfach ein bissl zu viel Verkehr. Jedenfalls ist was los am See unter mir. Jede Stunde dreht Käptn Franz mit seinem Schiff „Mondseeland“ eine Touristen-Runde, immer die Ufer entlang, weil die hauptsächlich fernöstlichen Urlauber, so sagt er, eh immer nur wissen wollen, welcher Prominente in welchem Haus wohnt. Ich treffe mich kommenden Dienstag für eine Golfrevue-Geschichte mit dem Skispringer Andreas Goldberger, der sein Domizil genau mir gegenüber über dem anderen Seeufer hat, ich kann die Villa von meiner Terrasse aus sehen: Werde ihn fragen, ob und wie oft er angegafft wird und ob ihn das nervt oder freut, oder ob es ihm eh voll wurscht ist.

Bildschirmfoto 2017-07-09 um 18.39.32Also, das Leben am See: Ich wache morgens auf und sehe draußen die Drachenwand vor mir, ein wenig umnebelt zur frühen Stunde meistens noch. Der See darunter: spiegelglatt. Noch zerzaust kein Windhauch irgend etwas. Bin ich gut drauf, spaziere ich dann über einen feinen, kleinen Weg durch Buschwerk hinunter zum Wasser, promeniere zweihundert Meter den See entlang und springe an einer Stelle hinein, an der irgend jemand ein freundliches, weißes Bänkchen platziert hat. Ich schwimme. Dann trockne ich auf der Bank. Dann gehe ich rüber in die Segelschule und frühstücke. Die Wirtin macht eine der besten Müsli-Früchte-Mischungen von überhaupt. Dann spaziere ich die fünf Minuten zurück nach Hause auf den Hilfberg hinauf. Unterwegs mache ich bei der weißen Bank neuerlich Halt und springe ins Wasser. Wieder. Ich schwimme. Dann trockne ich auf der Bank. Habe ich zu arbeiten, setze ich mich anschließend auf meine Terrasse, Mondseeblick vor und unter mir. Ich recherchiere und tippe, was das Zeug hält.

Bildschirmfoto 2016-07-02 um 20.54.07Wird es mir zu warm, hole ich das Soulredsummerfeelingauto aus der Garage und fahre ans andere See-Ende, dorthin, wo er verkehrsbefreiter ist, das Wasser lauschiger und grüner, und ich viele Stellen weiß, an denen man wild zum Ufer kann. Manchmal fahre ich auch die fünf Kilometer weiter zum Attersee, der noch ein bissl grüner ist und wo es ein, zwei noch bessere Badestellen gibt, an denen nicht jeder Halt macht. Manchmal fahre ich sogar hinüber zum Wolfgangsee. Ich schwimme. Dann trockne ich. Dann gehe ich Golf spielen. Oder Radfahren – Mondseeumrundungen mit dem Trekkingbike sind super. Oder, demnächst, weil ich ja soeben Prüfung Nummer 1 absolviert habe und voll loszulegen bereit bin: Dann gehe ich Segeln. Danach ist´s eh schon Abend und ich arbeite noch ein wenig, schreibe irgend etwas, oder gehe in den Ort was trinken. Habe ich Besuch, lasse ich das Arbeiten einfach sein, was immer öfter der Fall ist, weil´s hier so schön ist und immer mehr meiner Bekannten das checken und herkommen, was gut ist, weil ich dann weniger einsam bin. Dann verdiene ich zwar weniger und weniger und irgendwann wird mich das wohl vom Status „arm wie eine Kirchenmaus“ in Richtung Sozialfall transportieren, aber soll sein. So lange ich am See bin, bin ich gerne Sozialfall, und noch ist es eh nicht soweit.

Außerdem, wer weiß, vielleicht beflügelt ja das viele Aufs Wasser schauen meine Phantasie derart, dass es doch noch einmal dazu reicht, einen Roman oder sowas zu schreiben und damit auch Geld zu verdienen. Glauben Sie´s, oder glauben Sie´s nicht: Eine Idee hab ich schon. Aber glauben Sie´s, oder glauben Sie´s auch nicht: Ich fürchte, derzeit habe ich es trotzdem nach wie vor nicht in mir.

Jedenfalls, wie gesagt, das Leben am See ist wunderbar, jetzt im Sommer (und im Winter bin ich eh nicht da). Da hab ich glatt ordentlich Glück gehabt (was das genau heißt, können Sie im Blogpost „Die Blaue Traube“ nachlesen). Und noch einmal wie gesagt: Sehr unterhaltsam ist vor allem immer das Wochenende.

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