Mord. Und Totschlag.

Sie haben im vergangenen Frühjahr mit Sicherheit nichts davon in den Medien gelesen, doch passiert ist Folgendes:

Der Polizist W. schickte seine Freundin K. ins andere Zimmer der Wohnung, um einen Schnaps. Als sie zurückkam, war der Küchentisch eine einzige Sauerei aus Hirn, Blut und Knochen. W. hatte sich in den Kopf geschossen. Die Kripo tat das Hinscheiden des Kollegen nach einigen mühsamen und für alle Beteiligten unerfreulichen Einvernahmen als Suizid ab, als unerklärliche Verzweiflungstat, die nicht vorhersehbar gewesen war und die sich auch im Nachhinein aller Voraussicht nach kaum je schlüssig erklären lassen würde.

Doch dabei wollte der Journalist Himmelfreundpointner, der diesen Selbstmord frei erfunden hatte, es nicht einfach bewenden lassen. Himmelfreundpointner schickte mir ein Mail, in dem er mir das Geschehen am Küchentisch in wenigen Absätzen skizzierte, und darunter schrieb er sinngemäß:

Jetzt du!

Bevor ich Ihnen erkläre, was das soll, ein kurzer Einschub:

Ich lernte Rainer Himmelfreundpointner, der mit Sicherheit einer der angesehensten, seriösesten und gewichtigsten Wirtschaftsjournalisten Österreichs ist, in den 1980er-Jahren kennen. Damals schrieb ich für die „Industrie“, Rainer schrieb – glaube ich zumindest – für die „Wirtschaftswoche“. Man traf sich im Flugzeug auf einer Recherche-Reise ins damals frisch vom Kommunismus befreite Moskau, zu der das WdF, das Wirtschaftsforum der Führungskräfte, eingeladen hatte. In Begleitung einiger Manager-Mitglieder dieses Vereins sollten wir, ein Grüppchen von Wirtschaftsjournalisten, ausloten, welch gigantische Chancen es im künftigen Russland für die österreichische Ökonomie geben würde. Für die Manager war es wohl eine echte Lustreise in jeder Hinsicht, ihre Firmen würden im Wilden Osten reich werden, sie selbst würden Boni abcashen ohne Ende, und Spaß würde es dabei jede Menge geben. Also hatten einige von ihnen auch ihre Gattinnen dabei, was für eine Pressereise dieser Art durchaus unüblich war. Ich hatte den Eindruck, manche ließen sich sogar nicht von der Gattin begleiten, sondern von – naja, wir wollen das nicht näher hinterfragen.

Jedenfalls, bei einem dieser Gattinen-Substitute war schon beim ersten Hinsehen die vergleichsweise Überschaubarkeit des intellektuellen Horizontes erkennbar. Es gelang uns Journalisten zum Beispiel den ganzen Flug Wien-Moskau lang nicht, ihr zu verklickern, dass einer der Kollegen „Himmelfreundpointner“ hieß. Sie sprach von ihm immer als „der Herr Himmelschlüsselpförtner“. Das blieb mir bis heute im Gedächtnis – daher weiß ich auch noch, wo und wie ich Rainer kennenlernte. In Moskau, der Aufenthalt dauerte rund drei Tage, traf ich dann haufenweise russische Manager, österreichische Handelsdelegierte, Berater beider und weiterer Nationalitäten, Hoteliers und so weiter. Kurz, ich war fleißig am Recherchieren. Nur den Kollegen Himmelschlüsselpförtner sah ich so gut wie nie. Stellte sich nämlich heraus: Rainer, der damals schon ein ziemlich lässiger und jedenfalls besserer Journalist war, als ich es je sein würde, wußte, dass offizielle Termine und Ansprechpartner eher zum Schmeißen sind, wenn du gute Infos willst. Statt auf die angebotenen offiziellen Termine ging er dorthin, wo du die wirklichen Informationen kriegst – er versumperte in der Hotelbar im Keller. Und kam selbstverständlich dann mit einer viel besseren Geschichte zurück nach Österreich, als ich sie mit meinen Streber-Recherchebemühungen auftreiben hatte können.

Jedenfalls, so lernte ich Rainer Himmelfreundpointner kennen. Heute sind wir als trend-Autoren Kollegen. Rainer schreibt die großen, tragenden Stories für den trend, wird von der Chefredaktion als „journalistische Allzweckwaffe“ bezeichnet – und ich mache, nun ja, ich mache, was ich halt so mache. Umso mehr freute ich mich, als Rainer mir vergangenen Frühsommer dieses oben erwähnte Mail schickte. Sein Vorschlag war für mich wie eine Art Ritterschlag.

Ich mache es kurz: Himmelfreundpointner und ich schreiben für Sie einen Roman, und zwar in Form eines Experimentes: Der eine schreibt rund 3.000 Zeichen, die schickt er dem anderen. Der schreibt 3.000 Zeichen weiter und schickt den ergänzten Text seinerseits wieder retour. So geht es im Ping-Pong hin und her. Die Sache macht richtig Spaß und wir pingpongen auf diese Weise schon rund ein halbes Jahr – mit Unterbrechungen zwar, weil der Enthusiasmus eine launische Diva ist, aber die Story kommt durchaus vom Fleck.

Über den Jahreswechsel haben Rainer und ich besprochen: Wir wollen das nicht aus reinem Spaß an der Freud tun. Wir wollen, dass es auch Menschen gibt, die das lesen. Also werden wir bald einmal den bisher vorhandenen Text online stellen – und dann live weiter schreiben. Jede Woche wird ein Textbaustein dazukommen, einmal von mir, und einmal von ihm. Sie, liebe Blogleser und Innen, werden das in Echtzeit verfolgen können. Wir werden Ihnen sogar die Chance geben, ein wenig an der Geschichte des Suizidärs W. und des von ihm hinterlassenen Schlamassels mit zu basteln. Jedenfalls werden Sie mit uns, wir mit Ihnen, über die Social Media interagieren. Zumindest wenn alles so läuft, wie Rainer und ich es uns vorstellen.

Schaunmaamal.

Jetzt noch kurz zur Geschichte, ohne allzu viel zu verraten: Es geht um Mord und Totschlag. Wir reden hier von einer internationalen Verwicklung, einer Sache, die durchaus ein bissl gravierend ist. Selbstverständlich sind Liebe und Sex in die Geschichte eingebaut, so etwas braucht es heutzutage in einer guten Story einfach. Es geht um Geld und Grazie, um Lug und Trug, um Drama, Tragödie und Hochfinanz. Und so weiter. Sie werden´s mögen. Rainer und ich hoffen, Sie klicken rein wie die Wilden. Ein wenig müssen Sie sich aber noch gedulden, bis wir internetmäßig alles auf die Reihe gebracht haben. Doch bald geht der kleine Versuch los. Ich werde ihnen rechtzeitig Bescheid geben, was und wann und wie und wo.

Ich hoffe sehr, Sie freuen sich ein wenig auf das Himmelfreundpointner-Puchleitner-Krimi-Experiment.

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Ein Gedanke zu “Mord. Und Totschlag.

  1. Tja, die Würfel sind gefallen.
    Und der erste Mord wird nicht lange auf sich warten lassen.
    Lesen sie selbst.
    HFP (aka Himmelschlüsselpförtner)

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