Wertschätzung, Baby!

Sie wissen, mir sitzen meine Tipp-Finger recht locker, wenn es darauf ankommt, miserable Pressetexte und sonstige Versäumnisse oder Fehlleistungen von PR-Treibenden und Agenturen anzuprangern.

Das ist an sich nicht in Ordnung, weil mir dabei das eine oder andere Mal durchaus die angebrachte Tonalität ein wenig entgleitet. Ich möchte dazu zweierlei nicht verhehlen: Erstens – ich geniere mich im Nachhinein meistens für mein mäßig qualifiziertes Hinhauen auf andere, die sich nicht richtig wehren können. (Obwohl sie natürlich die Chance auf einen bösen Kommentar hätten, den ich dann auch veröffentlichen würde). Und zweitens: Glauben Sie nicht, dass ich dafür ungetadelt bleibe. Vor allem zwei mir teure und von mir hochgeschätzte Facebook-Freundinnen sind es, die mir dort regelmäßig einschenken und ein gerüttelt Maß Schelte übermitteln. Zu Recht, weil beide Damen in Sachen Kommunikations-Fachwissen so viel mehr drauf haben als ich, dass ich mir das einfach zu Herzen nehmen muss.

Jetzt aber! Wer viel schimpft, so wie ich, der muss auch loben können – und vor allem eingestehen, wenn er sich als Tölpel aufführt.

Also will ich nun verkünden: Die Pressedame der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der Wirtschaftskammer Wien – allererste Güte in Sachen Kompetenz! Genau so macht man es, wenn man Pressearbeit betreibt und sich auskennt. Genau so unterrichte ich es übrigens auch in meinen Workshops am APA Campus und so. Folgende Geschichte:

MailIch bin gerade bei der Arbeit an der Kommunikations-Branchenseite im trend von kommendem Freitag. Aufmacher wird eine Story über die neue Kampagne der Fachgruppe, es geht um das Thema Wertschätzung für die Wiener Kreativen. Eine wichtige Sache. Ich erhielt einen Pressetext samt Foto, auf dem drei Männer und eine Frau abgebildet sind. Im Bildtext zum Foto las ich aber zwei Männer- und zwei Frauennamen. Sofort klappte ich das Visier herunter und schrieb ein pampstiges Mail an die Aussenderin, eben jene Pressedame. Tonalität: Wie ich halt so bin, ich grantelnder Grummler, Sie können´s im Screenshot nebenan eh selbst nachlesen. Schande über mich. (Und ja, Facebook-Freundin R., ich nehme dafür in Demut präventiv die Rote Karte entgegen und begebe mich auf die Ersatzbank.)

Jedenfalls: Rückruf binnen Sekunden. So etwas lieben wir Journalisten – nämlich wenn etwas schnell geht, egal was. Erstens stellte sich heraus: alles völlig okay. Ich hatte mich einfach nur verlesen, ich Dodel. Statt des Männer-Vornamens Helge hatte ich Helga gelesen. Und zweitens: keine Spur von Beleidigtsein bei der Pressedame. Im Gegenteil, sie nahm´s mit Humor, war freundlich, nahm meine Entschuldigung an und ließ sogar noch ein Scherzerl vom Stapel:

Dank Ihres Mails hab ich jetzt wenigstens Ihre Handynummer, sagte sie.

So macht man es, wenn man gute Pressearbeit macht: Führt ein Journalist sich dumm auf, lässt man sich das zwar nicht gefallen, versucht jedoch, die Sache nicht tierisch ernst zu nehmen, sondern das Problem mit freundlichem Humor aus der Welt zu schaffen. Hat man es dann mit einem seriösen Journi zu tun, was ich ja bin, schämt sich dieser in Grund und Boden. (Ich schreibe diesen Text übrigens vom Teppich unter meinem Schreibtisch aus – ist ein bissl unbequem, geht aber nicht anders, weil eben Scham, bitte verzeihen Sie eventuelle Tippfehler.) Und er fühlt sich fürderhin eher verpflichtet, News dieses Absenders besonders wohlwollend zu behandeln, soweit das halt möglich ist. Was ich auch tue: Prompt befördere ich die kleine Story, die sonst eine kurze Meldung geworden wäre, zum Aufmacher im nächsten Heft. Um meinen Lapsus wieder gut zu machen.

Jedenfalls will ich die offensichtlich erstklassige PR-Expertin W. im Wiener Fachverband für Werbung und Marktkomunikation ausdrücklich loben. Bin begeistert. Sorry noch enmal, dass ich so ein Tölpel war. Das hat Folgen: Ab jetzt werde ich mir jedesmal, bevor ich wegen eines vermeintlich miserablen Pressetextes voll rechtschaffener Entrüstzung zur Tastatur greife, laut vorsagen:

Wertschätzung, Baby!

Das wird vor allem den Neos-Politikern und Innen unter meinen Freunden gefallen – weil die ja immer sagen, dass die Wertschätzung ihre Erfindung ist. Und ihr, liebe Blogleser und Innen, die ihr womöglich in der Funktion potenzieller Auftraggeber für Kreative seid und in Wien agiert – lest die Story zur Wertschätzungskampagne im nächsten trend und überlegt gut, ob ihr nicht, statt sinnlose Google- oder Facebook-Ads zu schalten, in Zukunft Wiener Kreative mit eurer Werbung beauftragen wollt! (Ein Sujet aus der Kampagne seht ihr übrigens oben im Header-Bild.)

Sollten Sie mehr wissen wollen, gehen Sie einfach auf gutewerbung.at.

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