Rauch-Zeitumstellung

Manchmal liefert die Politik Possen, die sind richtig unterhaltsam. Man könnte sich glatt in den Fasching zurückversetzt fühlen. Zum Beispiel diese, die ohnehin bekannt ist:

Die ÖVP stimmte im Parlament soeben geschlossen für die Rücknahme des Rauchverbots – wider jede medizinische Vernunft, gegen den Rat so gut wie aller Ärzte und vor allem gegen die eigene Überzeugung, weil sie ja vor drei Jahren im Parlament ebenso geschlossen für genau jenes Rauchverbot votierte, das sie nun wieder abgeschafft hat. Wenn das nicht unterhaltsam ist, was dann.

Aber das reicht den lustigen Schwarzen nicht.

Wie zur Verspottung aller, die fassungslos vor der Zertrümmerung jeder gesundheitspolitischen Verantwortung stehen, reicht nun ein Mann namens Heinz Becker, Europa-Abgeordneter der ÖVP, den Zuckerguss zur schwarzen Bankrotterklärung in Sachen Gesundheitspolitik nach: Er fordert per Presseaussendung die möglichst rasche Abschaffung der Sommerzeit, damit mit der Zeitumstellung endlich Schluss ist, weil: zu gefährlich.

ddBegründung nämlich: Diese Zeitumstellung erhöhe das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Sie können es ihm nebenstehenden Screenshot nachlesen, Becker meint das ernst. Lassen wir es langsam und konzentriert auf uns wirken:

Das Passivrauchen, dem die Österreicher nun weiter ausgesetzt sind, ist für die ÖVP eine weniger große Gefahr für das Herz-Kreislauf-System, als die Zeitumstellung zweimal im Jahr. Also soll das Rauchen in geschlossenen öffentlichen Räumen nicht verboten sein, das Umstellen der Zeit aber schon. Aus gesundheitlichen Gründen. De facto glaubt die ÖVP also, die Sommerzeit ist gefährlicher für die Gesundheit als das Rauchen.

Natürlich muss da die Frage erlaubt sein, wie ernst ein Wahlvolk so eine Partei noch nehmen kann.

Aber vielleicht ist es ja auch lediglich der Europa-Abgeordnete Becker, der womöglich ein wenig, sagen wir: ungewöhnlich argumentiert. Dann wäre das Problem einfach zu lösen, die ÖVP müsste ihn nur aus seinem Abgeordneten-Job in Brüssel entfernen. Natürlich könnte sie aber auch eine neuerliche Abstimmung im österreichischen Parlament herbeiführen und dann gemeinsam mit der Opposition und gegen den Willen der FPÖ das Rauchverbot wieder einführen. Das wäre eine verantwortungsvolle Vorgehensweise, weil die Schwarzen dann nicht die Machtgier ihres Parteichefs im Auge hätten, der um alles in der Welt Kanzler werden wollte und es auch bleiben will, sondern das Staatsganze und die Gesundheit der Bevölkerung.

Die Einführung eines Rauchverbots wäre eine echte Zeitumstellung auf modernes, verantwortungsvolles und zukunftsorientiertes Regieren. Etwas ganz anderes als das, was Sebastian Kurz und seine Truppe bisher abgeliefert haben.

Dann könnte man es der ÖVP sogar als ernst gemeint durchgehen lassen und es akzeptieren, wenn einzelne ihrer Abgeordneten darüber diskutieren wollen, ob die Sommerzeit abgeschafft werden soll oder nicht. Ganz egal, wie eigenartig die Begründung dafür auch sein mag.

Header-Bild: EVP, Martin Lahousse

 

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