Vier Menschen

Der Job des freien Journalisten wird bei all den ökonomischen Daumenschrauben, die Verlage bremsen und pressen, und deren Druck sie nicht selten uninspiriert an ihre schreibenden Mitarbeiter weitergeben, in schockierendem Tempo zu einem grundsätzlichen Auswärtsmatch in feindlicher Umgebung. In Schönheit erzählte Geschichten, sorgfältig geschriebene Texte oder elegant manikürte journalistische Kleinode sind keine Bestandteile verlegerischer Begehrlichkeiten mehr. Schreiberische Sorgfalt wird nicht mehr eingefordert, sondern das schnell und billig Hergestellte wird präferiert, idealerweise soll es auch noch mit den Erwartungen der Anzeigenkunden korrespondieren, die immer mehr zu schmierigen, selbstverständlichen Teilen von Deals werden.

Doch ich will nicht klagen, es gibt auch immer noch wirkliche Kleinode des Erlebens im schreiberischen Arbeitsalltag.

Eine der Besonderheiten dieser degenerierenden, erodierenden und wohl auch pervertierenden Beschäftigung des journalistischen Arbeitens ist es nach wie vor, spannende Menschen treffen zu können, die innere Schönheit von Existenzen vorgeführt zu bekommen, und Besonderes zu sehen. Man kann sich als Journalist nach wie vor mit beinahe allen Menschen treffen, mit denen man sich treffen möchte. Das streut charmante Momente in Tage, die ansonsten fast nur mehr von Druck aller Art, von Zank und von Zores getrieben sind.

Ich erzähle Ihnen das, weil ich mich – Sneak Preview jetzt – mit einer Geschichte für die kommende gemeinsame Sonderausgabe der Magazine profil und bestseller beschäftige, die sich mit dem Thema Medien befasst. Sie werden darin kurze Porträts von vier Medienschaffenden finden, die einen Bogen des österreichischen Journalismus über die vergangenen vier Jahrzehnte und in die 2020er-Jahre hinein spannen. Ich verrate – eine schöne Entwicklung nimmt die Branche nicht, es wurde mühsam und wird immer mühsamer. Doch ich traf vier interessante Menschen, zwei Männer und zwei Frauen, die mir von ihren Sorgen, Ängsten, Freuden und Jobs erzählten. Das war richtig gut.

Es wird Spaß machen, ihre Geschichten aufzuschreiben, das weiß nich jetzt schon. Sie, vertraute Blogleser und Innen, werden das dann als Beilage zum profil lesen können.

Gestern stand als letzte Gesprächspartnerin Stefanie Groiss-Horowitz an, die Chefin des TV-Privatsenders Puls 4. Es war eine der lässigsten und ungezwungensten Recherche-Stunden, die ich in den vergangenen Monaten hatte, die Medienmanagerin ist eine besonders liebe, lockere und angenehme Gesprächspartnerin. Lassen Sie sich vorerst nur soviel erzählen: Wir starteten mit einem Fotoshooting und es ergab sich irgendwie ganz automatisch, dass die Bossin des Senders im TV-Studie auf dem glatten Boden per Büro-Drehstuhl durch die Deko flitzte, immer und immer wieder, weil Fotografin M das so wollte. Sie lud mich sogar zu einem Wettrennen, ein zweiter Roll-Drehsessel wäre vorhanden gewesen. Ich lehnte ab, weil: Feigling. Ist eh schon das Arbeitsleben ein Anstürmen gegen übermächtige Krisenszenarien, da muss ich nicht auch noch auf fremdem Parcours gegen eine Superkompetente auf deren eigenem Material ein Bürosesselrennen verlieren. Ich weiß noch, wie ich vor Jahren den Fehler machte, mich mit dem damaligen Rechnungshofchef und heutigen Justizminister in eine Partie auf seinem Bürowuzzler verwickeln zu lassen. Ein Debakel, sage ich Ihnen, und wir sprechen hier nicht von einer einstelligen Abfuhr.

Jedenfalls, tags zuvor bereits hatte ich im Wiener Café Landtmann ein langes Gespräch mit einem, der zu den ganz Großen aus der Hochblüte des österreichischen Journalismus zählt – als Geld noch keine Rolle spielte, die Medienwelt herrlich gerade war, und als man über die unwürdigen Message-Control-Versuche (ja, das gab es damals natürlich auch schon) von Politikern und Managern den Mantel des gnädigen Ignorierens breitete. Weil Verlagsbosse, ganz anders als heute, ihren Chefredakteuren den Rücken im Kampf gegen Anzeigenabteilungen, Controlling-Departments und Beschwerdeführer stärkten. Franz Ferdinand Wolf hat den Journalismus damals so praktiziert, wie Journalismus praktiziert gehört, und wie ich selbst ihn nur von der Uni kenne – denn jetzt, da ich mit jahrzehntelanger Verspätung in der Branche halbwegs heimisch geworden bin, ist die Medienwelt schon längst nicht mehr gerade. Sie ist eine einzige verwinkelte Engstelle voll böser Fallen. Verlagschefs gängeln ihre Chefredakteure inzwischen so lange und gnadenlos, bis die nur mehr willfährige Erfüllungsgehilfen ökonomischer Zwänge sind und viele von ihnen alle journalistische Ethik und vor allem Professionalität fahren lassen haben, was man dann an den Medienprodukten sieht.

Ich sprach auch mit einer Kollegin, die aus meiner Zeit stammt, obwohl sie über ein Jahrzehnt jünger ist. Martina Madner, beherzte Redakteurin der altehrwürdigen Wiener Zeitung, kämpft unverdrossen ihren Kampf auf Seiten journalistischer Sorgfalt gegen das Schnelle, Kaltschneuzige und Hinterhältige, das Leserinnen und Lesern die heile Welt von Spin Doktoren und Marketing-Managern vorgaukeln möchte. Ich trat vor einigen Jahren Martinas Nachfolge in der Innenpolitik-Redaktion des Magazins Format an, aus dem sie sich mit einem Post-it für mich, den Nächsten, am Telefonhörer ihres Schreibtisches verabschiedet hatte, der dann meiner war.

Viel Glück!, stand drauf, und sie wird wissen, wie sie das damals gemeint hat. Ich konnte es nicht dekodieren, nur heute ist mir längst klar, wie es zu verstehen gewesen wäre.

Und schließlich habe ich mich schon vor zwei, drei Wochen aufgemacht und bin von meiner Mondseer Sommerwohnung die paar Kilometer hinüber nach Elixhausen gefahren, an die Nordflanke Salzburgs, wo der junge Herr Theo Kämmerer zu Hause ist. Theo geht zur Schule und macht mit viel Feuer Radio, obwohl er noch nicht einmal die Matura hat. (Dieses Thema handelt er derzeit mit womöglich ein wenig zu viel Nonchalance ab, was ihm vier unschöne, über den Sommer zu administrierende Fünfer im Zeugnis eingetragen hat, und auch den einen oder anderen gut gemeinten Rat von Eltern, Lehrern und mir, er möge doch bitte zuerst einmal …, und dann erst …). Jedenfalls, Theo hat sein Taschengeld seit Jahren in ein privates Radiostudio investiert und sendet aus dem Zimmer im ersten Stock des Elternhauses die Show Theos Radio Lab in die Welt des Webs. Er moderierte diesen Sommer die Morning Show auf Antenne Tirol und ist ganz zweifellos ein Journalist künftiger Jahre. Und die Fünfer sind inzwischen auch abgearbeitet, die Matura wird kommen.

Über diese vier Menschen, ihre Arbeit und ihre Branche werden Sie also im übernächsten profil und im übernächsten Horizont lesen können, die am 24. beziehungsweise am 28. September erscheinen. Kaufen Sie sich´s!

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