Wilder Wanderer

Christian Hlade ist Weltenbummler, Architekt, Blogger, aber vor allem Gründer von Weltweitwandern. Das ist die Story von einem, der auszog, das coolste Reisebüro Österreichs zu entwickeln.

Der große Kommunikator

Es gab eine Zeit, da war Christian Hlade, der Architekt, damit beschäftigt, reihenweise Postämter aus- und umzubauen. Das erschien ihm nicht sonderlich erfüllend. Denn davor war Christian Hlade, der Abenteurer, ein ziemlich wilder Hund. Er hatte die ägyptische Wüste mit dem Fahrrad durchquert, war durch Indien gewandert, nur zum Beispiel, und hatte davon gelebt, danach den Menschen in Diavorträgen darüber zu erzählen. Unter dem Angebot der vielen professoralen Diavorträge, die in den 1980er-Jahren die Volkshochschulsäle füllten, waren Hlade-Shows für die Zuseher sicher eine ungewöhnliche, möglicherweise rabaukenhafte, jedenfalls eine nonkonformistische Erfahrung. Für ein Auskommen reichte das Geld aber nicht, das damit zu verdienen war. Daher: Brotjobs in Architekturbüros. Damit war Hlade so lange unglücklich, bis er den Postamtsbau an den Nagel hängte, ein Jahr nach Asien emigrierte, im nepalesischen Ladakh eine Schule baute, und dann kurzerhand ein Wander-Reisebüro gründete, das mit Trips nach Nepal startete.

Die Sache hat sich entwickelt. Heute ist „Weltweitwandern“ zweifelsohne eine der coolsten Adressen Europas für Wanderurlauber – und Christian Hlade, der Geschäftsmann, ist der lässige Chef. Vor allem aber ist er ein Liebkind der Medien, die ihn gerne auf alle möglichen selbst erbauten Podeste der Popularität heben. Das kommt wohl daher, dass Hlade in Wahrheit neben seinen vielen Talenten, ausgeübten Tätigkeiten und absolvierten Abenteuern vor allem eines ist: ein großer Kommunikator.

Reden, Darstellen und Erzählen, das ist Seins. Das war früher schon so, als er in Hinterzimmern von Gasthöfen, Veranstaltungszentren und zur Not auch in Altersheimen staunenden Landbewohnern oder rüstigen Senioren von Sonnenuntergängen in der Wüste erzählte, von fremden Sitten fremder Völker in fremden Ländern, von Flora und Fauna ihnen unbekannter Erlebniswelten. Und das ist auch jetzt noch so, wenn er Journalisten trifft und ihnen sein Reisbüro und das, was es tut, ans Herz legt.

500 Kommunikatoren. Weltweitwandern also. An die 500 Menschen arbeiten für Hlade international, in der Firmenzentrale in Graz sind es zwölf. Der Hauptjob von ihnen allen ist neben dem Zusammenstellen, Organisieren, Betreuen und Abwickeln von Reisen vor allem das Kommunizieren – und es zu ermöglichen. „Am Wegesrand stehenbleiben und gute Gespräche führen“, ist einer der Hauptzugänge, mit denen Weltweitwandern in seinen Katalogen für die Teilnahme an Wanderreisen wirbt. Die freien Mitarbeiter jeweils vor Ort, verteilt über die ganze Welt, fördern das und leben das extrovertierte Interagieren mit der Umwelt, das der Chef vorgibt, mit Verve. Ein respektables Heer an internationalen Markenbotschaftern, die am Image der kleinen Firma im kleinen Österreich kräftig polieren.

Das kommunikative Miteinander aller mit allen spielt beim Erfolg von Weltweitwandern eine große Rolle. In der Zentrale erledigt die Profi-Kommunikation eine Marketing-Expertin, ihr stehen Texter zur Seite. Die grafischen Belange arbeitet ein Wiener Grafiker (www.vaybox.at) ab, Agentur-Unterstützung gibt es bei Bedarf – so administrierte etwa die Grazer Agentur En Garde vor einigen Jahren den strategischen Marken-Relaunch.

Heldenverehrung. Vor allem aber kommuniziert der Chef. Hlade ist der geborene Absender marketingtauglicher Botschaften, und er fühlt sich durchaus wohl dabei. „Am liebsten wäre ich irgendwann einmal nur mehr Außenminister der Firma“, sagt er, „der sie mit der dahinter stehenden Idee repräsentiert, und die Alltagsarbeit erledigen meine Mitarbeiter“. Journalisten lieben das und fast hat das viele Wohlwollen, mit dem sie Hlade in ihrer Berichterstattung überhäufen, ansatzweise etwas von Heldenverehrung. Der kann damit gut umgehen – und im Gespräch mit dem kommunikativen Naturtalent hat man beinahe das Gefühl, Medienvertreter behandelt er unbewusst als Klavier, auf dessen Tasten es zu spielen gilt. Tatsächlich sind Journalisten bei Weltweitwandern gern gesehene Gäste, Hlade nimmt immer wieder einmal einige von ihnen irgendwohin in die Welt mit, um ihnen das Weltweitwandern-Feeling in voller Aktion näherzubringen. Soeben erst ist er von einer Wanderreise mit Journalisten aus Marokko zurückgekehrt.

Die Kommunikationslust des Chefs erhält Weltweitwandern in einer Währung zurück, die für kleine Dienstleister unschätzbaren Wert besitzt: in Publizität. Für eine Nischenfirma ist das Reisebüro unglaublich oft in irgendeiner Zeitung präsent. In steirischen Medien ist Hlade sowieso ein Star, aber auch das kosmopolitere Wirtschaftsmagazin trend widmete ihm schon ein großes Porträt, auch internationale Publikationen sind längst auf den extrovertierten Wanderer aufmerksam geworden. Hlade sieht das gelassen: „Das kommt wahrscheinlich daher, dass ich authentisch bin. Ich sage, was ich mir denke, ohne Beschönigung oder Firlefanz“.

Europ. Mit anderen Reisebüros fahren die Kunden nur auf Urlaub, Weltweitwandern lieben sie. Auf dem Weg nach oben – Weltweitwandern ist inzwischen eines der wichtigsten Wanderreisebüros Europas – ist diese emotionale Zuwendung Gold wert: Hlade und seine Firma gewinnen laufend Preise, Weltweitwandern ist womöglich das meist ausgezeichnete Unternehmen Österreichs. Staatspreis für Tourismus? Check. Auszeichnung für das frauenfreundlichste Unternehmen des Landes? Check. Für das familienfreundlichste ebenfalls. Preis für die besten Reisen mit Kindern? Für nachhaltiges Wirtschaften? Steirischer Werbepreis? Fit im Job Award? Alles vorhanden. Hlade wurde von den Lesern der Grazer Kleinen Zeitung sogar zum „Weltsteirer des Jahrzehnts“ gewählt, was immer das heißen mag. Das bringt Image. Und es bringt Kunden.

Hlade agiert mit seinem Unternehmen in einem sehr speziellen Biotop gebildeter, moderner, unangepasster Professionals und Gutverdiener. Mit Weltweitwandern spazieren vor allem Lehrer durch die Welt, Ärzte, auch Kommunikationsleute, viele Therapeuten, Psychologen. „Menschen mit Herzensbildung halt, irgendwie“, beschreibt Hlade seine prototypischen Klienten. Viele von ihnen kaufen in Bioläden ein, tragen Gea-Schuhe, kümmern sich um die Umwelt und wohl auch ein wenig ums Karma. Da urlaubt es sich sicher besser beim Trekking mit Weltweitwandern als auf einer umweltbelastenden Schiffsreise, gebucht bei einem Massen-Touristiker.

Das Schema Hlade. Hlade selbst passt gut in dieses Schema, er sieht auch so aus. Wildes  Haar, dezent alternative Kleidung, auch im Büro umweht den sehr präsenten Mann immer ein kleiner Hauch von Freiheit. Das mögen Weltweitwandern-Kunden offensichtlich. Das – man ist ja nicht umsonst gelernter Architekt – selbst designte Firmenhaus in Graz fügt sich da ebenso ins Bild wie die lässig-locker agierenden Mitarbeiter: Alles kommt für ein Reisebüro ziemlich easy daher, Teppiche und Decken aus aller Welt bilden die Deko, es gibt einen riesigen Aufenthaltsbereich, der Umgangston ist freundlich, im Garten steht eine mongolische Jurte. Besucher merken sofort: Ein normales Reisebüro ist das nicht.

Jedenfalls, der Laden brummt. Auch auf Facebook, dort folgen der WWW-Site mehr als 17.000 Follower, es geht in Sachen Kommentare, Likes und Sympathiekundgebungen recht kunterbunt zu. Irgendwann einmal, eher früher als später, wird der Jahresumsatz die zwei-Millionen-Grenze überschreiten, für ein Nischen-Reisebüro eine erstklassige Benchmark. Wahrscheinlich wird das dann jene Grenze sein, ab der Hlade darüber nachzudenken beginnt, sich tatsächlich nur mehr aufs Kommunizieren zurückziehen. In Ansätzen beansprucht das Weltweitwandern der Zukunft schon jetzt Platz in seinem Kopf. Es gibt Überlegungen, ob er die Firma irgendwann an seine dann erwachsenen Kinder – derzeit sind Leo, Lino und Laura dazu noch zu klein – übergeben oder doch lieber die Mitarbeiter unternehmerisch an Bord holen soll. Verkaufen will er eher nicht. „20 kräftige Jahrzehnte habe ich noch vor mir“, sagt der heute über 50-Jährige, „also ist noch genug Zeit für solche Dinge“. Er wird bis dahin noch ziemlich viel zu kommunizieren haben.

 

Weltweitwandern: Kleines Reisebüro, große Wirkung

Der Alternativ-Reiseanbieter Weltweitwandern verschickt derzeit jedes Jahr Tausende Kunden in die ganze Welt, damit sie dort Wandern gehen. Knapp 500 lokale Führer stehen vor Ort als Begleiter im WWW-Sold, im Programm ist alles vertreten – von der Levada-Wanderung auf Madeira über Bergsteigen im Himalaya bis zum Urwald-Trip durch Costa Rica. Auf knapp 1,4 Millionen Euro belief sich die Bilanzsumme im Jahr 2015, der Bilanzgewinn auf nicht ganz 260.000 Euro – allerdings unter Berücksichtigung eines erheblichen Gewinnvortrags aus dem Vorjahr. In Sachen Facebook, der modernen Währung von Reputation, ist der Gewinn noch umfangreicher. Enthusiastische Postings sind dort die Regel. Fast alle der über ganz 17.000 Facebook-Follower sind auch Leser des „Global-Thinking“-Blogs von WWW-Chef Hlade (blog.hlade.com).

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2 Gedanken zu “Wilder Wanderer

  1. Hallo Klaus, so ein schöner Bericht über WWW. Das freut nicht nur den Herrn Hlade, sondern auch mich. Bin ein großer WWW-Fan. War schon auf La Gomera, in der Provence, in Italien und auf Kreta mit WWW. Am 25. Jänner geht’s nach Costa Rica und im Juni nach Georgien. Hast du auch schon einmal eine WWW Reise gemacht? Herzliche Grüße und die besten Wünsche für das neue Jahr! Hanna

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