Heimat

Ich mag Sie heute auf etwas Gelungenes hinweisen, das meistens schief geht.

Wann immer nämlich Chefredakteure von Magazinen den Versuch unternehmen, ein ausnahmsweise einmal monothematisches Heft zu wagen, lauert schwere Peinlichkeitsgefahr. Nicht so die heutige Kurier-Beilage „freizeit“, die jeden Samstag ein buntes Sammelsurium luftiger Themen rund um das nur fast so ernst zu nehmende Leben abseits von Pflicht und Arbeit bietet. Doch nicht diesen Samstag – diesmal handelt das ganze Heft von der Steiermark, und es handelt das Thema auf schwerst gelungene Weise ab. Der neuen Chefredaktrice M ist da etwas recht geglückt.

Ja, Sie mögen vielleicht anmerken, liebe Blogleser und Innen, dass ich voreingenommen sein könnte. Nicht, weil ich mit M zusammen an der Journaliusmus-Uni war. Sondern weil M mich mitschreiben ließ. Es war mir ja die volle Freude, über meine Heimatstadt Graz zu berichten. Und einen Essay über den Schlossberg wollte ich eh immer schon einmal verfassen. Essay ist ja stets eine Herausforderung, da kommt man üblicherweise viel engagierter in die Hufe als sonst. Wird man zusätzlich in das finstere Gefängnis einer Länge von nur 4.000 Zeichen gesteckt, Leerzeichen inklusive, wie M das mit mir tat: umso mehr. Ich mag nicht urteilen, wie sehr Am, im, um den Berg gelungen ist oder auch nicht, Sie mögen das selbst erledigen, indem Sie sich den heutigen Kurier kaufen und die Sache kontrollieren. Falls Sie sich über den Titel wundern, nur zu Erklärung, wie sehr man als Journalist oft korsettiert ist – der freundlich, aber bestimmt vorgetragene CvD-Befehl lautete: 20 Zeichen, nicht mehr.

Aber es geht ohnehin nicht um meine Schreibe, sondern um die der Anderen. Weil: feinste Sahne. Sogar ich als Steirer las das Heft heute beim Frühstück mit Enthusiasmus und Neugierde.

Es ist zum Beispiel großartig, wie die von mir verwundert bewunderte, immer noch blutjunge Storytellerin VK in ihrer wöchentlichen Kolumne diesmal die Steiermark in eine verbalisierte Liebe taucht, zu der ich nie fähig wäre. Wie die von mir verehrte Kollegin PA, deren richtige Initialen ich Ihnen nicht verrate (obwohl eh kein großes Geheimnnis) und mit der ich vergangenen Herbst im Zuge eines anderen Medienprojektes auf professionell angenehmste Weise zu tun hatte, ihre Altaussee-Affinität ausschreibt. Weil: Altaussee, sowieso ein Zauberort. Und wie der mir gänzlich unbekannte GT über das steirische Idiom fabuliert, ist ebenfalls nicht schlecht. Wenngleich auch GT, wie parktisch alle anderen Menschen, den sehr einfachen Kern und das Grundgeheimnis des Steirischen nicht richtig erfasst hat.

Ich will Ihnen, Blogleser und Innen, hier den Service bieten und die Sache kurz und schmerzbefreit erklären. Also, es ist so: Das Steirische basiert einfach auf der Diphtongisierung von Monophtongen. Das ist alles. Wir Steirer sind schlicht Professionisten im Erschaffen von Zwilauten, wo Gott eigentlich keine vorgesehen hat.

Was?, zum Beispiel, fragen wir als: Wous?

Leoben sprechen wir als Laiouben aus.

Den Apfelstrudel von der Mama, den der Stadt Graz größter Sohn, Eiche Arnie, ja so sehr liebte, machen wir zum Oupflstroudl.

Und so weiter. Das ist schon alles, so funktioniert die Sprache der Heimat. Nur zur Ergänzung: Die Wiener und Innen machen es ganz genau umgekehrt, die monophtongisieren Diphtonge. Haus wird zu Hås, Klaus wird zu Klås. Als ich vor Jahrtausenden an der Wiener Uni Publizistik studierte, sagten Kommilitonen und Innen mir, wenn sie mich zum Teufel wünschten, was ab und zu der Fall war, weil wir Steirer in Wien nicht ausschließlich gut angeschrieben sind:

Geh Klås, hå di iwa d´Hääsa!

Oder so, was weiß ich, ganz habe ich das Wienerische nie durchblickt, weil ich ja an sich – ah egal jetzt, wuascht hiazn, wie wir Steirer sagen, lassen wir das. (Übrigens sagten das deutlich öfter die Innen zu mir, weil mein Steirercharme halt doch ein bissl tölpelhaft ausgeprägt ist.)

Jedenfalls, noch einmal kurz zurück zum Freizeit-Kurier von heute. Dankenswerterweise beauftragte M mich auch mit einem Geschichtlein zum Status der Literaturhauptstadt Graz. Auf zweierlei möchte ich Sie dazu aufmerksam machen. Zum einen auf einen kleinen Geheimtipp – die Bleibe der jeweiligen Grazer Stadtschreiber, das Cerrini-Schlössl, zu dem Sie nicht einfach so vordringen können und von dessen Existenz selbst viele Grazer und Innen nichts wissen, weil es im Verborgenen in den Wäldern des Schlossberges vor sich hin geheimnist. Aber ich zeige Ihnen in der Graz-Story den Weg. Und hier im Blog erzähle ich ihnen vielleicht irgendwann einmal ausführlicher davon.

Und die andere Sache: Graz verfügt in Sachen Literatur natürlich über den Platzhirsch, den Droschl-Verlag. Aber auch über das kleine, sehr feine Independent-Label Edition Keiper. Verlegerin AK betreut einen der hoffnungsvollen Jungstars der Szene, den erst 17-jährigen Colin Hadler.

Ich lege Ihnen seinen Debutroman Hinterm Hasen lauert er wärmstens ans Herz. Ist zwar sehr robust geschrieben, wie die jungen Leute das heute halt so machen, aber: Hat was. Wie Graz.

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