Galway 04: Meet the Irish

Erst zurück in Österreich fällt einem das auf, jedesmal wieder: wie unglaublich freundlich die Iren sind.

Ein paar Tage Recherche in Galway, und du wirst überkübelt mit Alltags-Kleinigkeiten, deren Basisnettigkeit in Austria undenkbar wäre, wo der Grundgrant – ich habe mir das Wort aus dem Irish Blog von Tochter Julia geborgt – über alles und alle herrscht. Ich traf in Irland wirklich nette Menschen, zum Beispiel diese:

Bildschirmfoto 2019-08-09 um 14.11.44Sandra & Tristan: Die – Sie sehen sie oben im Aufmacherbild mit Söhnchen Alex – möchte ich Ihnen besonders ans Herz legen, weil sie etwas zu bieten haben, das Ihren Galway-Aufenthalt zu einem richtig schönen machen kann: Sie vermieten über AirBnB ihr Hausboot Catharina. Der honorige Kahn, der von außen vielleicht noch ein wenig überholungsbedürftig aussehen mag, innen aber richtig, richtig luxuriös ist, kann ein feines Zuhause für einige Tage darstellen. Sie mögen an den Bildern hier erkennen, wie geschmeidig das Schiff in seinen Eingeweiden daher kommt. Die Catharina liegt im Lough Atalia vor Anker, das ist ein mit dem Meer verbundener kleiner See, praktisch im Zentrum der Stadt. Sie marschieren zu Fuß vielleicht eine Viertelstunde und sind am Eyre Square, am Long Walk, in der Shop Street – halt dort, wo es sich abspielt.

Praktisch, das nur am Rande, ist auch noch: Wenn Sie es sich abends im Evil West End, dem vor allem von Studenten gern frequentierten Vergnügungsviertel der Stadt mit all den Bars und Pubs, richtig gut gehen haben lassen, ist der halbstündige Spaziergang zurück zur Catharina womöglich genau die richtige Dosis Auslüftung, um entspannt ins Hausbootbett zu sinken.

Bildschirmfoto 2019-08-09 um 14.13.00Ich traf Sandra und ihren Mann Tristan samt kleinem Sohn Alex im „The Huntsman“, einem Restaurant und Pub gleich neben dem Boot, also wären Sie dort als Bootsleute auf Zeit auch kulinarisch recht ordentlich versorgt. Die beiden erzählten mir ihre Story, wie sie die Catharina, ein an sich niederländisches Schiff, von Frankreich nach Irland überführten, es zunächst in Tralee anlandeten, um schließlich dann doch in Galway endgültig festzumachen, wo die Familie – es gibt noch ein Töchterchen und einen Hund – lebt. Die Catharina ist innen brandneu, sie steht erst einen Monat zur Vermietung. Aber die Nachfrage ist enorm, bis Jahresende 2019 ist das Hausboot praktisch ausgebucht. Sollten Sie also für 2020 einen Irland-Trip planen und am Schiff wohnen wollen, das innen geräumig wie ein Penthouse ist, jedoch nur jeweils an eine Gast-Partie vermietet wird: Beeilen Sie sich mit einer Reservierung besser und klicken Sie hier:

https://www.airbnb.at/rooms/35332397source_impression_id=p3_1565349617_e29rwvvpOafjHjGV

Bildschirmfoto 2019-08-09 um 14.13.27Selbstverständlich plädierte ich den Beiden gegenüber für ein Umtaufen, denn: ein Boot in Irland mit einem Namen wie Catharina? Da braucht es schon etwas Gälischeres. Ich sah in den Galwayer Docks zum Beispiel Schiffe mit Namen wie Saoirse na Mara oder Croí an Cladach. „Freiheit des Meeres“ und „Herz des Claddagh“, das sind gute Namen. So muss das gehen. Ich vermute allerdings: Dass Sandra und Tristan mir höflich nickend zuhörten, ist mehr auf die generelle Freundlichkeit der Iren zurückzuführen als auf echtes Interesse an einem neuen Namen für ihr Boot.

Doch eh wurscht, ich traf weiters:

Barbara Coyne, die Besitzerin des Caheroyan House in Athenry, über die ich Ihnen im Blogpost The Black Cat schon erzählt habe – also keine weitern Details hier, nur noch einmal der Link zum äußerst feinen B&B, das ich ebenso wie das Hausboot Catharina schwerst empfehle:

https://www.caheroyanhouseathenry.com

Außerdem lernte ich einen alten Mann kennen: Ich saß im Café des Stadtmuseums, schrieb den Blogpost über Caheroyan House. Vor mir der Rücken eines greisen, greisen Iren. Er saß unbeweglich da, nippte hin und wieder an seinem Tee, dann an seinem Whiskey, schließlich ließ er auch noch ein Guinness kommen. Ab und zu konnte ich erkennen, wie er den Kopf in Richtung Draußen drehte, dorthin, wo hinter der großen Fensterscheibe der Spanish Arch steht, daneben dessen Seitengebäude mit dem tollen kleinen Restaurant Ard Bia. Der Mann sprach außer bei der Guinness-Bestellung kein Wort, mit niemandem, ich bekam auch sein Gesicht nicht zu sehen, zwei Stunden saß er so mehr oder weniger unbeweglich da. Dann stand er auf, packte mühsam und im Zeitlupentempo seine Dinge zusammen, Jacke, Kappe, was man als alter Ire im Hochsommer halt so dabei hat. Er drehte sich um, tat einen Schritt an meinen Tisch, tappte mir an die Schulter und sagte mit einer Wärme in der Stimme, die mich für eine Hundertstelsekunde glatt ein wenig beunruhigte – ich bin ja gelernter Österreicher, da schreckst du dich halt, wenn einer freundlich zu dir ist :

Ich höre Ihnen schon die ganze Zeit zu, wie Sie tippen. Früher habe ich in einem Büro mit vielen Schreibkräften gearbeitet, dieses Geräusch, wenn die Finger an die Tasten klopfen, das ist Musik in meinen Ohren, ich erinnere mich gerne daran zurück. Das war heute also ein sehr schöner Vormittag für mich, ich möchte mich bei Ihnen bedanken.

Ein wunderbarer kleiner Monolog, mitten im geschäftigen Trubel des voll besetzten Cafés. Ich: sprachlos. Ich bedanke mich meinerseits, gleich mehrmals, und wünschte dem netten alten Mann einen schönen Tag. Im Abgehen drehte er sich noch einmal um und sagte:

By the way, you type fast as hell, that´s very good!

Aaah, die Iren!

Und ich traf im West End: den Halbbesoffenen. Ich war auf dem Weg in die Crane Bar, Musik hören, Irish Trad. Für mich ein super Anmarsch, denn ich wohnte in einem Hotel an den Docks: Start auf jener Seite des Hafenbeckens, das dem Lough Atalia zugewandt ist, zuerst einmal vorbei an der sicher vor Anker liegenden Saoirse na Mara – spricht sich ungefähr Schiirsa na mara aus. Dann das Hafenbecken entlang, um den Spitz herum, den Long Walk entlang, über die Wolf Tone Bridge und hinein ins West End, vorbei an der Rockbar Róisín Dubh (Schwarze Rose), um zwei oder drei Ecken herum und schließlich ins von außen unscheinbare Pub, Galways feinste Adresse in Sachen Trad: die Crane Bar. Die Crane Bar ist unter anderem Namen im TV auch Homebase des Privatdetektivs Jack Taylor – die Taylor-Romane von Ken Bruen  wurden vor einigen Jahren in schauderhafter Qualität vom deutschen und irischen Fernsehen verfilmt.

Aber egal: Kurz nach dem Róisín Dubh (sprich: Roschien Duuv) standen auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwei halb abgefuckte Iren, ungefähr mein Alter, ungefähr besoffen, sie schauten verträumt oder auch nachdenlich, was weiß ich, in den Straßenzug hinein. Als der eine mich sah, rief er herüber:

Hey, you, come on over and give me a hug!

Sie wissen schon: In Österreich, wenn dich ein Besoffener auffordert, ihn zu umarmen, denkst du dir: Heilige Scheiße, los, besser schnell abhauen!

Nicht ich in Irland, weil ich dort im Irland-Modus bin, also freundlich ohne Ende.

Sure!, rief ich daher zurück, marschierte über die Straße, umarmte den Mann, und der hatte sowas von eine Freude, dass auch ich gleich richtig gut aufgelegt war.

In der Crane Bar stand ich dann, hörte der Musik zu, dachte zurück an die Geschichte mit dem Galway Girl vor vielen Jahren, ärgerte mich gleich wieder ein wenig, dass ich sie nicht angesprochen hatte, trank mein Guinness, und dann noch eins, und dann noch eins, und dann noch eins, und sang im Stillen vorsichtig mit. Es ging mir gut.

Wenn ich richtig informiert bin, war es Voltaire, der ungefähr dieses gesagt hat: Weil es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

Das geht ganz leicht, wenn man in Irland mit Iren zu tun hat. Ehrlich. Meet the Irish sollte es wirklich auf Krankenschein geben.

 

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