Lichte Höhen

Wieder einmal ein wenig Making of:

Es ist schon immer etwas seltsam, wenn Journalisten für eine Geschichte Journalisten befragen. Da gleitet leicht einmal ein bissl was ins Peinliche ab, passt man nicht auf. Ganz ehrlich: Ich mag es nicht so – und fühle mich jedesmal unwohl, wenn das ansteht. Vor allem, wenn es um bekannte, wenn nicht gar um berühmte Kolleginnen oder Kollegen geht. Das hat so etwas von Annäherung an Gipfel und lichte Höhen, die einem der eigenen Mühen wegen, die sich bestenfalls in Ebenen abspielen, eigentlich nicht zustehen. Mit vorsichtigem Schaudern erinnere ich mich nach wie vor an die seinerzeitige Anfahrt im Car2Go-Smart hinaus nach Korneuburg, um dort für ein Porträt den König des journalistischen Storytellings, Helmut Gansterer, zu treffen. (Sie können das sogar nachlesen, indem Sie hier klicken.)

Diesmal: schon wieder. Diesmal: Corinna Milborn.

Die Informationsdirektorin von Puls 4 hat sich im vergangenen Jahrzehnt von der beachteten und geachteten Innenpolitik-Redakteurin des Format – ruhe sanft, Baby, ich hab wirklich gerne für dich gearbeitet, bis du eingestellt wurdest! – über die Chefredaktion des News zum echten Star in der heimischen Medienlandschaft entwickelt. Jetzt schupft sie mit Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner auch noch den neuen Nachrichten-TV-Sender Puls24. (So etwas, das nur nebenbei, hat Österreich wirklich gebraucht – 35 zusätzliche Journalisten, die pausenlos Fernseh- und Web-News machen, das hat was Erstklassiges).

Also: Porträt im kommenden Medien-Spezialteil des profil und des bestseller. Die 64 Seiten werden ungefähr zu Beginn der zweiten September-Hälfte erscheinen. Das Ganze mehr oder weniger unter meiner Fuchtel – was super ist, weil man sich dann als Verantwortlicher die spannenden Dinge für sich selber zum Abarbeiten reservieren kann. Zum Beispiel eben das kurze Porträt von Corinna Milborn (und, weil es ein Doppelporträt zweier wirklich leistungsstarker heimischer Medienmanagerinnen wird, auch noch von Elisabeth Totzauer vom ORF).

Die berühmte Kollegin Milborn und der siebte-Zwerg-von-links-hinten-Schreiber, also ich, wir haben glatt eine minimale gemeinsame Geschichte, die ich Ihnen jetzt gerne erzähle:

Als ich 2011 zum Format kam, um über Innenpolitik zu schreiben, war es noch nicht so lange her, dass Milborn die Redaktion in Richtung News-Chefred verlassen hatte. Zwei monströse Pappkartons mit ihren Dingsbumsen drinnen waren noch da, direkt vor meinem Schreibtisch. Ich musste immer drüber klettern, wollte ich mich hinsetzen. Sie waren ganz schön hoch aufragend und mir dünkte schon damals, dass ich selbst journalistisch womöglich wohl nicht mehr höher hinaus kommen würde als beim Übersteigen.

Nun werden Sie argumentieren: Warum, um Gottes Willen, hat der die nicht einfach zur Seite geräumt?

Eh. Doch wer bin ich, dass ich es wage, den journalistischen Hausrat einer stellvertretenden Chefredakteurin des News anzutatschen. Ich bewältigte das Passieren der beiden Kartons zwei, drei Monate lang mit Verve. Dann bat ich per Mail ins News-Stockwerk des Verlagsgebäudes am Schwedenplatz um Abholung. Corinna kam prompt und sichtete einmal, was da war, das vielleicht noch zu gebrauchen wäre. Ich sah zu. Unglaublich, was sich im Laufe der Zeit so ansammelt, vor allem Bücher, Bücher, Bücher. Ich glaube mich erinnern zu können (ist ja schon Jahre her), dass sogar ein Pokal dabei war. Kein Wunder – ist Milborn, die erstklassige Journalistin, doch vielfach ausgezeichnete Schreiberin, Autorin, Moderatorin und so weiter.

Jedenfalls: Ein wenig, nicht besonders viel, wurde mitgenommen, die Schachteln wurden wieder zugeklappt – und blieben vor Ort. Ich startete noch einen harmlosen Versuch der Bitte um Abholung. Genau weiß ich nicht mehr, wie der verlief, ich glaube, wir hatten in der Folge ein kleines, freundliches Dispütchen über Twitter oder so. Wurscht. Ich entsorgte die Schachteln schließlich doch, kein Hahn krähte mehr danach.

Für unser Gespräch gestern war das ein netter Einstieg. Ich duzte die Kollegin einfach (in der Verlagsgruppe News duzen sich ohnehin alle, ausgenommen vielleicht die siebte-Zwerge-von-links-hinten-Schreiber und die Vorstände) und rechtfertigte das damit, dass ich es mir mit dem monatelangen Überklettern ihrer Schachteln rechtschaffen erarbeitet hätte. Milborn, die ein wirklich lässiger, freundlicher Mensch ist, lachte. Ich lachte. Es wurde ein angenehmes Gespräch. Fotograf Michael Rausch-Schott, dessen Beauftragung ich Ihnen an Herz lege, sollten Sie einmal was Fotografisches benötigen, war hinter der Spiegelreflex. Totzauer, die Channel-Managerin von ORF 1, folgt dann kommenden Montag oben am Gipfel des Küniglberges.

Das Ergebnis der bergsteigerischen Mühen werden Sie wie gesagt im profil und im bestseller lesen können. Hope you´ll like it.

P.S. Und eins noch, falls Sie sich wundern, aber bei einem TV-Star benötigt so eine Äußerlichkeit halt doch Erwähnung und Einordnung – Corinna Milborns Frisur: Sie kam praktisch frisch vom Friseur. Und hat jetzt das, was sie als einen von vielen Vorzügen immer schon an ihrem großen Vorbild Barbara Coudenhove-Kalergi bewundert hat: kurze Haare. Passt auch gut zum soeben absolvierten Start des Nachrichtensenders Puls24: alles neu. Sie werden als TV-Zuseher den ungewohnten Anblick bald ins Herz geschlossen haben.

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