Laho, BoJo und Yassir.

Wieder einmal Making of:

Otmar Lahodynsky ist ein super Gesprächspartner – einmal in Fahrt, emittiert er Anekdoten aus einem langen Arbeitsleben als Außenpolitik-Journalist wie die Sonne Partikel. Er war für das profil zuerst in Polen und dann in der ganzen Welt, er war für die Presse in Brüssel, er schrieb auch für den Kurier und zuletzt wieder viele Jahre lang für das profil. Er hat Menschen wie Vaclav Hável, Benazir Bhutto, Zia-ul-Haq, Michail Gorbatschow, Lech Walesa, Kofi Annan, Yassir Arafat und so weiter getroffen. Vor ein paar Tagen auch mich, was für ihn natürlich ein bissl ein Abstieg ist, aber meine Güte.

Der Grund, warum Laho, wie seine Journalisten-Kollegen und Innen zu Otmar gerne sagen, und ich uns im Wiener Café Raimund zusammensetzten?

Lahodynsky hat vor kurzem erst den Karl-Renner-Publizistikpreis für sein Lebenswerk erhalten, das ist in Österreich kein Schmutz. Und soeben steckte er die Füllfeder ins Futteral, schob das Keyboard in die Tasche, hängte die Schuhe an den Nagel, kurz: Er trat in den Ruhestand. Der Horizont, jene Wochenzeitung, die über alles in Sachen Kommunikation berichtet, hatte mich aus diesem Anlass mit einem Interview beauftragt, so in die Richtung: Einer der letzten Grandseigneurs des heimischen Journalismus hört auf, was hat er zu erzählen, wie sieht er die Branche, und so weiter.

So etwas mache ich immer gern.

Erstens bin ich nämlich recht glücklich, wenn ich mit richtig, richtig guten Kollegen oder Innen reden kann, denn so viele davon gibt es nicht mehr. Und zweitens sind Otmar und ich Sommer-Nachbarn – er wohnt während der warmen Jahreszeit am Traunsee, ich am Mondsee, zwischen uns nur der Attersee. Zwei zugereiste Salzkammergutler also. Seit Jahr und Tag versuche ich den Herrn Laho zu einem Segeltag bei mir am M-See zu überreden, aber irgendwie ziert er sich ein bissl, der Angsthase, doch heuer kommt er mir nicht mehr aus. Ich meinerseits habe ihn am T-See schon besucht. (Sie können das sogar nachlesen, indem Sie hier klicken.) Lesen Sie jedenfalls im Horizont vom nächsten oder übernächsten Freitag, was Laho zum Antritt seines Ruhestandes so zu erzählen hat.

Kleine Sneak Preview: Das ist einiges.

Time_CoverWir saßen also vergangenen Mittwoch im wienerischen Café Raimund, Otmar erzählte mir: Wie er seinerzeit, als Lech Walesa und seine Solidarnosc den Kommunismus in Polen aufmischten, ein Foto der Unruhen von einem Balkon schoss, es dann in fremdem Diplomatengepäck in den Westen schmuggelte und es in der Folge seinen Weg auf die Cover von Time Magazine, Paris Match, profil und andere Medien fand. Sie sehen das Time-Cover von damals nebenan in Faksimile. Wie Ursula Plasnik, damals Kabinettchefin des seinerzeitigen Außenministers Wolfgang Schüssel, sich ihm, Laho, im Regierungsflieger in den Weg warf, um ihm selbigen zum Chef zu versperren. Warum die Dame später, als sie selbst Außenmini war, eines Tages ein Ohrgehänge mit überdimensionalen Gartenzwergen trug, und wie ihr Pressesprecher, der inzwischen unser aktueller Außenminister ist, die Berichterstattung darüber im profil verhinderte. Wie er, Laho, Ban Ki-moon im Zug traf und unterhielt, als der noch unbekannter südkoreanischer Botschafter in Österreich war. Und wie der ihm dafür noch Jahre später in New York, längst UNO-Chef, von der anderen Straßenseite dankbar und freundlich zuwinkte. Viele gute Anekdoten.

Im Ruhestand plant Otmar nun jedenfalls, mehrerlei zu unternehmen:

Er will weiter schreiben, das natürlich auch. Aber er wird sein letztes Jahr als amtierender Präsident der Association of European Journalists sehr ernst nehmen, die Sache offensiv anlegen. Er will in dieser Funktion den heroischen und bitter notwendigen Kampf für Medienfreiheit und gegen Fake News weiter kämpfen. So hat er etwa für Boris Johnson, dessen Spitzname „BoJo“ mir recht treffend erscheint und der ja überlegt, der BBC, dem Leuchtturm des freien Qualitätsjournalismus, die Unterstützung zu entziehen, nur einen kurzen Kommentar aus zwei Worten übrig:

Schrecklich, traurig.

Er weiß aus seiner Brüssel-Zeit zu erzählen, als Johnson dort Korrespondent des Daily Telegraph war und in seinen Stories ohne Ende Fake News verbreitete. Laho wird außerdem mit Ex-MEP Joe Weidenholzer, dessen Ausscheiden für das Europäische Parlament ein mindestens ebenso großer Verlust ist wie der Pensionsantritt Lahodynskys für den heimischen Journalismus, den Sarstein im Ausseerland bewandern. Die beiden rastlosen Ruheständler haben sich das schon vor langer Zeit ausgemacht, heuer soll es endlich umgesetzt werden.

Ebenfalls, wie gesagt, ausgemacht und zur Umsetzung bereit: Laho und ich, die zwei Nebenerwerbs-Salzkammergutler, werden einen Tag lang den Mondsee besegeln. Wir werden die Blue Grape entern, von Schwarzindien aus hinaus aufs Wasser schippern, ich werde uns in den Wind bugsieren und Laho wird von seinen Erlebnissen in der Welt erzählen. Von den Menschen, die er traf, wie sie Weltgeschichte schrieben, und wie er seinerseits diese Weltgeschichte dann beschrieb. Von den Gartenzwerg-Ohringen der seinerzeitigen Außenministerin. Von den Geheimdepeschen des früheren österreichischen Griechenland-Botschafters Herbert Amry, der unter nicht wirklich geklärten Umständen ums Leben kam. Von den national berühmten Chefredakteuren Peter Michael Linges, Peter Rabl und Franz Ferdinand Wolf, unter denen er gearbeitet hat. Und so weiter.

Über all dem werden Schafberg, Schober und Drachenwand freundlich-friedlich wachen, die Mondseewellen werden leise an den Bug der Blue Grape schwappen, die ihre Segel blähen wird. Und mir? Wird das ziemlich taugen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s