Coronareim

Lassen Sie mich doch, liebe Blogleser und -Innen, das lang ersehnte und endlich eingetroffene Ende der Ausgangsbeschränkungen mit etwas zelebrieren, das durchaus ein bissl gaga rüberkommen mag – ebenso verrückt wie die schrägen Wochen, die hinter uns liegen.

(Hoffentlich nicht schon bald wieder vor uns.)

Zum Beispiel mit diesem völlig sinnbefreiten Blogpost von heute, samt dem Reim – oder gerade eben wegen des Reimes – an seinem Ende.

Denn nicht, dass Sie jetzt glauben, hier gibt es nur mehr ernsthafte Analysen – so wie die letzten beiden Blogposts. Ich informiere Sie dazu allerdings nicht ungern, dass der sehr ernst zu nehmende Blogpost vom 18. April, Die Büchse der Pandora, bis jetzt sage und schreibe 86.125 mal aufgerufen wurde, das ist einsamer Rekord hier auf http://www.klauspuchleitner.blog.

Doch lassen wir das Zurückschauen, kommen wir zum angekündigten Sinnbefreiten: Dieses Blog trägt ja neuerdings – Überbleibsel aus meiner Shakespeare-Zeitvertreibsphase während der Isolation, von der Sie auch hier lesen können – einen hochtrabenden Subtitel:

We are the stuff that dreams are made on.

Das ist zwar Shakespeare, aber keinesfalls ist es allzu ernst gemeint. Also muss auch Raum für Texte sein, die richtig gaga sind. Und davon gibt es hier ja einige, ich erinnere nur an „CSR“ von vor knapp zwei Jahren. Oder an „Lesen, wenn der Tod sich anpirscht“ aus dem Jahr 2014 – alles ein ganz schöner Blödsinn, wenn wir ehrlich sind.

Dazu passend heute Geheimnis: Sie können das natürlich nicht wissen, aber ich bin ein richtiger – fast möchte ich sagen: professioneller – Brutalreimer.

Ein Brachialpoet schwachsinniger Verse. Keine Ahnung warum, aber mir fliegen diese Zwei- oder Drei- oder Mehrzeiler im Alltag einfach zu, Freunde wissen womöglich ein Lied davon zu singen und ich neige immer mehr zu der Ansicht, dass das Social Distancing, wie wir alle es bis vor kurzem zu praktizieren hatten, bei mir womöglich wegen dieses Hanges zum idiotischen Reimen mehr und mehr der Normalfall wird.

Wäre ich 30 Jahre jünger und tausend Nuancen cooler, könnte ich vermutlich ein Auslangen als Poetry Slamer finden. Käme ich optisch nicht so banal daher, sondern mehr wie ein richtiger Autor – also asketisch, grauhaarig, nachdenklich und tiefsinnig – fände sich vermutlich schnell ein Verlag, der mich als Wirr-Dichter groß raus bringen könnte. So aber: Ich reime ebenso einsam wie sinnlos für mich allein – und respektiere den Müll, der herauskommt, einfach als fruchtlosen Akt verbaler Autoaggression.

Natürlich werden Sie jetzt fragen:

Und? Diese lange, selbstgefällige Vorrede, kommt da jetzt auch was?

Aber gerne, selbstverständlich. Ich saß also kürzlich – noch isoliert von allen anderen, genauso wie alle anderen auch – auf meiner Mondseeterrasse, schaute über das Wasser, ein volles Glas vor mir, blauer Himmel über mir und jene Corona-Distanziertheit in mir, die uns langsam das Hirn matschig macht, und ich reimte:

Ist es draußen wieder sonnig, schmeckt mir der Gin Tonic.

Sie werden´s eh geahnt haben: Zur Zeit, als ich diesen coronaeinsamkeitsinduzierten Reim niederschrieb, war das Glas dann bereits leer, und ein zweites auch, und ein drittes und ein viertes auch. Haben Sie also Nachsicht. Es wird auch wieder ein ernsthafterer Blogpost folgen …

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