Die wahre Härte

Manche Geschichten schreibt man gern und ungern zugleich – weil sie geschrieben werden müssen, aber Frustrationspotenzial in sich tragen. So auch die Story „Das Schlimmste kommt noch“ im trend von heute. Die Recherche war qualvoll, weil dabei zahlreiche Menschen großes Leid an mich herantrugen. So viele so unschöne Schicksale. Noch nie habe ich in so kurzer Zeit derart oft den Satz gehört:

Ich habe schlaflose Nächte.

Bitte kaufen Sie sich den trend von heute und lesen Sie über die Mühen der Einpersonenunternehmen (EPU) in Zeiten der Coronakrise.

Ein paar nicht allzu schlimme kleine Fehler haben sich leider eingeschlichen – unsere Redaktion produziert das Magazin seit 50 Tagen im Home Office, da können Abstimmungsunschärfen schon einmal vorkommen. So weiß ich natürlich, dass der Bezugs- und Berechnungszeitraum für Gelder aus dem Härtefallfonds nicht mit dem Juni, sondern erst Mitte September endet, und dass Neue Selbständige nicht parallel zu den EPU existieren, sondern eben EPU sind, nur ohne Gewerbeschein. Bitte verzeihen Sie. Aber die Geschichte ist wichtig – ich hoffe inständig, dass auch der eine oder andere maßgebliche Politiker sie zu Gesicht bekommt und ein wenig darüber nachdenkt.

Zusammengefasst: Mit der Art und Weise, wie die Härtefallunterstützung für Klein- und Kleinstunternehmer aufgesetzt wurde, treibt man womöglich Zehntausende an den Rand ihrer Existenz.

Denn die versprochene Hilfe der Regierung ist derzeit noch kaum eine, sondern sie ist – der Höhe nach nicht einmal das – ein Almosen. Weil der Härtefallfonds trotz der vielen Nachbesserungen immer noch daneben liegt. Ein Indiz: Von den zwei Milliarden, die der Finanzminister bereitgestellt hat, waren Anfang Mai erst 121 Millionen tatsächlich ausbezahlt. Hauptgrund vermutlich: Die Kriterien wurden so eng gefasst, dass viel zu wenige EPU in Not ernsthaften Anspruch anmelden können. Und es gibt Fallstricke ohne Ende. Sollte jemand tatsächlich die Maximalförderung erhalten, also 6.000 Euro für ein halbes Jahr, lassen sich davon vermutlich nicht einmal die unternehmerischen Fixkosten decken, geschweige denn kann gelebt werden.Wirkliche Unterstützung, nachdem viele der knapp eine halbe Million EPU eine Zeit lang de facto Arbeitsverbot hatten oder noch immer haben, müsste anders aussehen.

Ich habe im aktuellen trend auch einen Kommentar mit Vorschlägen dazu geschrieben, dessen Titel das Problem zusammenfasst:

„Der Härtefallfonds ist die wahre Härte“.

Aus der ersten Phase ergibt sich den Angaben der Wirtschaftskammer nach, die den Härtefallfonds abwickelt, eine durchschnittliche Zahlung von 840 Euro pro genehmigtem Antrag. Das Existenzminimum in Österreich liegt momentan bei 933 Euro. Jene 1.353 Euro, die in Phase 2  bisher durchschnittlich ausbezahlt wurden, sind schon viel besser. Alle Details finden Sie in der trend-Story.

Es gibt eine gute Nachricht für die Solounternehmer in Not, mit der ich einen zusätzlichen Fehler in der heute erschienenen trend-Geschichte richtigstellen will, für den allerdings der Redaktionsschluss am Mittwoch verantwortlich ist:

Wie Kollegen und Innen in ihren Stories auch, schreibe ich in meiner: Auf Auszahlungen aus dem Covid-19-Hilfsfonds, der von der extra gegründeten Agentur Cofag verwaltet wird, müsse man voraussichtlich bis Frühjahr 2021 warten. Gestern Abend gab die Regierung bekannt: Es wird deutlich schneller gehen, ab 20. Mai sind Anträge möglich und danach soll unmittelbar Geld fließen. Der Covid-19 Hilfsfonds ist, von einigen Kleinigkeiten abgesehen, so aufgestellt und dotiert, dass er auch den Einpersonenunternehmen echte Hilfe bringen könnte.

Wird dort jetzt alles umgesetzt wie versprochen, hat die Regierung das gut gemacht.

Vielleicht wird ja die wahre Härte doch noch von einem Happy End abgelöst. Ich möchte Sie in diesem Zusammenhang außerdem auch auf den super Leitartikel im trend verweisen, verfasst von Chefred L, den sich die Regierung ja vielleicht schon zu Herzen genommen hat, bevor er heute Morgen erschienen ist.

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