In Freiheit

Es war als hätt´ der Himmel die Erde still geküsst. Würde Eichendorff, berühmter schlesischer Dichter von vor gut 250 Jahren, jetzt und heute, also im Lockdown leben und Hallstatt besuchen, genau dieser Satz wäre ihm eingefallen.

Ich tourte vergangene Woche das Salzkammergut für eine trend-Geschichte. Ich wollte wissen, wie sich diese verzauberte Gegend während des Lockdowns geschlagen hatte und wie man sich dabei täte, sich aus dem Eingesperrtsein wieder in den Normalbetrieb hochzustemmen. Wirtschaftlich und psychisch und so.

Lassen Sie mich zusammenfassen und ein bissl aus der Story vorwegnehmen, die Sie ab übermorgen, Freitag, mit dem neuen Premium-trend am Kiosk kaufen können: Alles gut. Womöglich finden wir bald heraus, dass die Salzkammergutler jene Region Österreichs bewohnen, die alles am besten überstanden haben wird.

Es sind die Seen und die Berge, welche die Österreicher heuer im Sommer in Scharen ins Salzkammergut locken werden, weil Italien und Kroatien mit ihrer Adria sowie Griechenland und Spanien mit dem Rest des Mittelmeeeres entweder noch nicht so richtig erreichbar oder als Reiseziele wegen Corona heuer nur fast so gut sind. Die Chefin des Gallup-Instituts, die gerade eine Studie dazu fertiggestellt hat, erklärte mir das am Telefon ausführlich. Die Salzkammergut-Hoteliers weinen auch tatsächlich nur mit einem halben blauen Auge. Die Stimmung unter den Einheimischen ist sowieso ganz gut, und ich nütze diese Gelegenheit jetzt gleich, um Ihnen einen womöglich wichtigen Tipp zu geben, falls Sie einen Campingurlaub planen:

Beeilen Sie sich mit der Reservierung eines Platzerls für Ihr Zelt oder Ihren Wohnwagen. Die Campingplätze sind nämlich bereits vor dem übermorgigen Aufsperrtermin virtuell beinahe schon bummvoll. Zugebucht. Ausreserviert. Wenn Sie nicht schnell machen, können Sie sich ihre sommerlichen Campingtage am Salzkammergutsee Ihrer Wahl aufzeichnen.

Es gibt allerdings eine große Ausnahme, auch das verrate ich Ihnen vorab: die Gegend um Hallstatt.

Deren Gäste bestehen nämlich zum großen, großen Teil aus Asiaten, und die werden heuer eher nicht mehr Reisen dürfen. US-Bürger und Briten auch nicht. In Hallstatt geht deswegen das große Heulen und Zähneklappern um. Alle hoffen, dass Österreicher und Deutsche die fernöstlichen, ausbleibenden Touristen substituieren können. Doch das Preisniveau – die Asiaten zahlen anstandslos jeden Preis für jede Dienstleistung, verriet mir der freundliche Hallstätter Bürgermeister – ist halt doch ein wenig, nun ja.

Details in der trend-Story „Salzkammergutrettung“, kaufen Sie sich das Heft bitte.

Ich also befuhr vergangene Woche die zweifellos charmanteste Gegend Österreichs, Sie können meine Begeisterung in einem Blogpost aus dem vorvorigen Jahr nachlesen, indem Sie hier klicken.

Ich sprach mit den Ortschefs und Innen von Hallstatt und Bad Ischl, ich besuchte die berühmte Rösslwirtin am Wolfgangsee, einen Kultwirt am Grundlsee, ich bekam die ziemlich coole International School in St. Gilgen von der Schuldirektorin gezeigt, ich konsumierte eine brandneue Studie eines Unternehmensberaters zum Thema „Wirtschaftsfaktor See“, ich ließ mir vom Geschäftsführer eines noblen Hotels in Altaussee die sportliche Behauptung auftischen, er habe mit seinem Haus die Zauberformel gegen Corona entdeckt – kurz: Ich genoss das Salzkammergut in den Vollen.

Mein Eindruck: Ohne Gästemassen ist es noch einmal liebenswerter, sympathischer, großartiger. Hallstatt so zu sehen, wie man es schon viele Jahre lang nicht mehr sehen kann, nämlich ohne die touristische Massenware der verhaltensauffälligen Asiaten – ein Privileg. Ich spazierte die sonst verstopfte Uferpromenade vom Parkplatz in den Ortskern hinein, plauderte mit einem praktisch arbeitslosen ungarischen Kellner eines Restaurants, sah der jungen Steuerfrau des Linienschiffs und seiner Kapitänin zu, wie sie drei Ausflügler an den Steg entluden und dann Mittagspause machten. (Der Bürgermeister erzählte mir später, dass dieses Schiff normalerweise jeden Tag Tausende Fernost-Besucher transportiert und so etwas wie Mittagspause, genau wie die Passagiere, ein Ding aus einer fremden Welt ist.)

Rössl

Am Grundlsee, hinten in Gössl beim Rostigen Anker, verbrachte ich eine halbe Stunde mit einem Schwan, der dort entspannt promenierte, wo normalerweise Reisebusse ihren heiteren Pauschalurlauber-Inhalt an die Wirtshausterrasse abgeben. Sie sehen das Tier am Foto unten. Am Wolfgangsee hielt ich im berühmten Weißen Rössl einen langen Plausch mit der Rösslwirtin, Fotograf Lukas Ilgner hat das sogar im Bild festgehalten – und ich zeig es ihnen hier, obwohl ich mein glatzertes Kopferl und mein stattliches Bäucherl sonst lieber nicht so gern fotografisch festgehalten sehe. Alles in allem eine Idylle jedenfalls, allüberall. Das Salzkammergut, von Touristen befreit, kann sich endlich wieder zu seiner vollen Poesie entfalten, die von der touristischen Monsterwelle sonst überschwappt wird. In die Freiheit entlassen, ist es wieder die zauberhafteste, wunderbarste Region Österreichs.

SchwanAnkerJedenfalls, ich hatte eine großartige Recherche-Woche.

Jetzt sitze ich wieder auf meiner Salzkammergut-Trerrasse am Mondsee, schau runter auf´s urlauberelektrobootlose Wasser, genieße die Ruhe, die auch hier noch vor dem Sturm herrscht, und warte mit gemischten Gefühlen auf Pfingsten, wenn die – heuer einheimischen – Touristenhorden wohl wieder einfallen. Wenigstens bleiben uns in diesem Jahr die eher kuriosen Teilnehmer der Sound-of-Music-Bustouren erspart, die als erste Station ihrer schrägen Reise immer die Basilika von Mondsee heimsuchen, bevor sie dann mit dem Kinderzug durch den Ort schlingern und sich schließlich eine Seerunde im Boot „Mondseeland“ des formidablen Käptns Franz Meindl geben, den ich im trend vor drei Jahren schon einmal porträtiert habe. Sie hauen dann zwar eh recht schnell alle wieder ab (nach Hallstatt), aber die zwei Stunden Aufenthalt in Mondsee reichen, um …

A propos Schiff: Drüben am anderen Seeufer dümpelt die Blue Grape vor sich hin. Ich werde dann wohl gleich zu ihr rüber schauen und mich auf eine kleine Seglerei begeben. Schönen Mittwoch, liebe Blogleser und Innen. Und kaufen Sie sich übermorgen bitte den trend.

2 Gedanken zu “In Freiheit

  1. Kann dir nur rechtgeben, lieber Klaus: Das Salzkammergut ist die schönste Region in Österreich. Mache mir etwas Sorgen wegen des Andrangs im Sommer. Aber es gibt da ein paar Plätze – die verrate ich nur dir, am besten bei einem Segeltörn mit deiner Yacht.

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