Leben in Dystopia

Ohne dass wir es im Kleinen bemerkt hätten, hat sich unser Alltag im Großen in den vergangenen Jahren ein wenig in Richtung Dystopie verschoben.

Dass die Klimaerwärmung noch aufzuhalten sein könnte, glauben nur Fantasten. Oder: In den USA wurde eine Regel außer Kraft gesetzt, die Menschen meiner Generation von Kindheit an als Mantra verinnerlicht haben: „Wenn du nix Gscheites lernst und in der Schule nicht aufpasst, kann nichts aus dir werden“. Inzwischen wissen wir: Stimmt so nicht, in den Vereinigten Staaten zum Beispiel kann man selbst als Vollidiot immer noch Präsident werden und dann die Welt mit ganz eigenartigem Agieren aus den Angeln heben. Und nun wirft auch noch Corona unser geordnetes Leben komplett über den Haufen. Zu allem Überfluss las ich erst kürzlich, dass die heimische Polizei längst mit Gesichtserkennungs-Software arbeitet, und das gar nicht einmal unerfolgreich. Und so weiter.

Es liegt also nicht wirklich fern, ein wenig an der Entwicklung der Welt zu verzweifeln und sich zu denken: Möglicherweise sind wir unserem Untergang, jedenfalls aber einer dystopischen Zukunft, in den vergangenen Jahren einen großen Schritt näher gekommen. Die vielen kleinen Schritte, jeweils one small step for a man, haben uns insgesamt einen großen Satz, a giant leap for mankind, näher in Richtung Düsternis transportiert.

Von vielem, was wir in bester Absicht tun, wird sich erst herausstellen, ob es gut oder schlecht war. Im premium-trend, der diesen Freitag erscheint, schreibe ich zum Beispiel eine Story, in der ein junges Tiroler Unternehmen die Hauptrolle spielt, das – mehr oder weniger unabsichtlich – ein womöglich wirkungsvolles Instrument für die Corona-Prävention erfunden hat. Das klingt gut. Aber ich befinde mich im Zwiespalt, wie sehr man sich darüber freuen soll. Klar, die Sache könnte helfen. An sich erleichtert sie das Leiten von Menschenmassen, kann Verkehrsströme entknoten oder das Miteinander Vieler geschmeidiger machen. Doch letztendlich geht es dabei um Überwachung. Mir fielen ohne großes Nachdenken einige Missbrauchsmöglichkeiten für die cleveren Algorithmen ein, die eigentlich unser Zusammenleben erleichtern sollen.

Gut nur, dass die Firmenbosse des Innsbrucker Startups sensibel mit dem umgehen wollen und werden, was sie da erfunden haben. Einer von Ihnen ist mir persönlich bekannt und ich habe ihn als honorigen, korrekten und verantwortungsvollen Mann schätzen gelernt. Er mag Irland, und so einer kann gar kein Schlechter sein. Mit dem Innenministerium, schwören die Swarm-Analytics-Chefs Stein und Bein, arbeiten sie nicht zusammen. Lesen Sie mehr im neuen premium-trend – wie gesagt ab Freitag im Postkasten oder am Kiosk Ihres Vertrauens.

Ich möchte Sie in diesem Zusammenhang auch ausdrücklich auf den erstklassigen Leitartikel von Chefred L hinweisen, der gar trefflich analysiert, wie unser beschauliches Österreich nach der guten Performance im vergangenen Frühling nun in eine derart katastrophale Corona-Situation schlittern konnte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s