Die Geschichte des peripheren Testers

Ich wurde Tester von Dingen, bei denen ich mich nicht wirklich auskenne, da war ich gerade einmal 18.

Der ungestüme Schwachsinn der Jugend ratterte noch mit schauderhafter Erbarmungslosigkeit durch mein Hirn und ließ mich Dinge tun, die ich heute so nicht mehr tun würde. Zum Beispiel schrieb ich für ein höchst seltsames Pamphlet von Schülerzeitung, das sich zuerst „School People“ nannte und danach in „Crash“ umgetauft wurde, beides verbesserungswürdige Namen, wenn wir ehrlich sind und das aus der heutigen Perspektive relativer Weisheit betrachten.

Warum ich immer testen wollte, weiß ich nicht. Erst recht nicht, warum Produkte, von denen ich nichts verstand. Jedenfalls, meine Laufbahn als Tester mit null Ahnung startete mit einem Ford Escort. Ich meine, da hatte ich gerade einmal den Führerschein in der Tasche und begann frisch, fröhlich und verantwortungslos, Autos zu testen. Ich beschrieb frei von der Leber weg, was mir dazu einfiel. Das war nicht viel, aber es wurde tatsächlich abgedruckt. Es folgte ein Opel Corsa – und Sie merken schon, ich nahm damals, was ich kriegen konnte.

Das ist mir bis heute geblieben, nicht nur bei Autos. Wäre ich sorgsamer vorgegangen und hätte danach das wenige Ausgewählte besser bewahrt, wäre mein Leben womöglich anders verlaufen. Anders im Sinne von besser. Aber das ist eine differente Geschichte.

Die Autotests, die in meinen 20ern, 30ern und 40ern folgten, blieben amateurhaft. Nie schaffte ich dabei auch nur ansatzweise den Sprung auf eine halbwegs professionelle Ebene. Dennoch gaben mir verschiedene Medien immer wieder diverse Testaufträge, nicht inflationär zwar, aber doch recht ordentlich aufsummierend über die Jahre. Die Autos wurden dabei besser, Gott sei Dank. Ich schrieb über Mercedesse, BMWs, Alfas, Landrovers, Jaguare, Volvos und auch den einen oder anderen Japaner. Immer aus der Sicht des bemühten, aber dilettierenden Amateurs, der eigentlich keine Ahnung von dem hat, was er da tut. Ich blieb Zeit meines bisherigen Lebens als gelegentlicher Nebenerwerbsautotester ein bestenfalls peripher kompetenter Beschreiber der Dinge.

Aber ich kam auf den Geschmack. Und womöglich bin ich in Sonderfällen dann doch gar kein so schlechter Verkäufer eines schlechten Produktes, mir selbst nämlich, denn es gab in der Folge Medien, die mich mit Tests auch anderer Sachen beauftragten, denen jeweils nur gemeinsam war, dass ich von ihnen und ihrer Funktionsweise nicht den geringsten Tau hatte. Ich testete zum Beispiel für das formidable Magazin „falstaff“ Milchschäumer, Küchenmixer oder Küchenmaschinen. Für das „Format“ Griller oder auch Ferienhäuser. Und so weiter. Das Kompetenteste, was mir aus diesen Jahren in Erinnerung geblieben ist: der Titel eines dieser Tests. Die Format-Geschichte der Gar-Geräte für unter dem freien Himmel benannte ich nämlich Natural Born Grillers, worauf ich selbst heute noch stolz bin. (Wobei mir aber durchaus klar ist, dass auch andere diese Idee schon hatten, was sich mittels einer kleinen Googlerei leicht herausfinden lässt, wovon ich aber damals, im Jahr 2015, ebenso wenig Ahnung hatte wie von den Testgegenständen.)

Ansonsten blieb nicht viel Ordentliches. Einige Spin-offs der Autotests können Sie hier auf diesem Blog nachlesen. Klicken Sie zum Beispiel hier oder hier oder hier oder meinetwegen auch hier. Mit der Krise der Medienbranche verschwanden jedoch schließlich auch die Testaufträge. Ehrlich gesagt ist das vermutlich durchaus im Sinn der Sache, wenn wir sie aus dem Blickwinkel von Qualität betrachten. Ich teste heute nicht mehr, wenngleich es mir ein bissl abgeht, ab und zu mit einem wirklich großartigen Auto übers Land zu fahren und dann darüber zu schreiben.

Über 500 PS, ausfahrbarer Spoiler, außerdem: eine Soundtaste. Ein echter Rennwagen, der Jaguar F-Type R..

Richtig super war zum Beispiel seinerzeit des Jaguar F-Type R, ein kleiner Rennwagen. Ich habe damals auch die Gewohnheit entwickelt, mich mit den mobilen Testobjekten jeweils in das Umfeld einer mir geeignet erscheinenden Örtlichkeit zu transportieren, die Fenster herunter zu lassen oder aufzumachen, was eben aufzumachen geht, und die lokale Bevölkerung mit passender Musik in größtmöglicher Lautstärke zu beschallen. Persönlich unvergessen ist, wie ich mich im Frühjahr 2016, gegen Ende der großen Flüchtlingswelle, mit einem der letzten meiner Testobjekte ins Burgenland verfügte, den Hauptplatz jenes Dorfes aufsuchte, das gegen den Ansturm der dort ohnehin nur in Apotheker-Mengen auftauchenden Asylsuchenden einen Zaun um sich errichten wollte. Ich spielte den ortsansäßigen Spießern lautest den irischen Trad-Song Óró sé do bheatha bhaile vor, eine Art Flüchtlingslied. Natürlich auf Irisch, also in einer fremden Sprache. Und hoffte, Sinéad O´Connor würde ihnen das Kleingeistige aus ihren Köpfen schreien.

Das war´s dann aber bald einmal. Testschluss. Es ist jedoch nur konkludent, dass das letzte Ding, das ich in fremdem Auftrag testete, bei mir blieb, mehr oder weniger: Für den „trend“ und den Blog des Datensammlers Herold ließ ich den kleinen, wirklich feinen Mazda MX-5 um alle möglichen Kurven wuseln. Nicht nur vom Knackigen der Schaltung war ich so begeistert, dass ich mein Konto entleerte und mir ein eigenes Exemplar ins Haus holte. Es ruht nun des Winters in meiner Mondseer Garage und ist im Sommer zusammen mit dem Segelboot „Blue Grape“ als „Soulredsommerfeelingauto“ mein Liebling.

Jetzt aber, Moment einmal: Fast hätte ich´s vergessen. Ich testete im Laufe der Jahre ja auch Golfplätze sonder Zahl, und da kenne ich mich sogar ein wenig aus.  Dazu Hotels, Restaurants und Städte. In die Reiseschreiberei bin ich ein bissl hineingerutscht, sie ist großartig und bleibt mir, da mache ich keinesfalls Schluss. Denn das hat einfach was. Den letzten Test konnten Sie vergangenen Oktober erst im Freizeit-Magazin des Kurier nachlesen: das wunderbare Triest, bunte italienische Hafenstadt vor den Toren Österreichs. Oder vor einem Jahr Galway, Europas Kulturhauptstadt des Jahres 2020, veranstaltungstechnisch schwer zerzaust von der idiotischen Covid-19-Pandemiewelle.

Küchenchef Metullio im Harry´s Piccolo in Triest, mittlerweile von zwei Michelin-Sternen bestrahlt, bei der Arbeit.

Zwei Tests stehen im kommenden Frühjahr und Sommer fix an, und auf die freue ich mich besonders: Das runderneuerte und in Richtung Fünfsternehaus adaptierte Riviera & Maximilian´s an der Triestiner Karst-Küste einerseits mit seinem neuem, optisch frei schwebendem Swimmingpool. Wird vermutlich cool werden. Und dazu andererseits das „Harry´s Piccolo“ ebenfalls in Triest. Küchenchef Matteo Metullio (Sie sehen ihn im Bild oben bei der Arbeit) hat soeben seinen zweiten Michelin-Stern verliehen bekommen. Ich aß dort zuletzt diesen Herbst, noch mit einem Stern bekocht, und es war: erstklassig. Metullio erklärte mir danach, als ich meinen beglückten Wanst in die Küche schob, wie er das hinbekommt. Sehr spannend. Da muss selbstverständlich getestet werden, was er nun mit zwei Sternen alles kann …

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