Seeschreiberei

Die famoseste aller Chefredaktricen, M vom freizeit-Kurier, stand quasi unter Belagerung: Beinahe schon eineinhalb Jahre lang schlug ich mit schöner Regelmäßigkeit für das tolle „Weekender“-Format der freizeit eine Geschichte über den Mondsee vor. Um, völlig zu Recht selbstverständlich, jeweils ungefähr diese Antwort zu erhalten:

Wir haben Pandemie. Reisen geht nicht richtig. Was willst du da mit einer Reisegeschichte?

Bis vor kurzem. Als nämlich klar war, dass demnächst geöffnet werden würde, startete ich einen neuen Anlauf. Und siehe da: Bingo.

Wenn ich über was schreiben darf, das mir emotional nahe liegt, bin ich jeweils der glücklichste Mensch. Und viel näher als der Mondsee mit dem Salzkammergut liegt mir wenig, geographisch betrachtet zumindest. Also frohlockte ich in der Sekunde und legte enthusiastisch los. Es kann auch kein Zufall sein, dass Reisegeschichten von jenen Orten, bei denen mein Herzerl einen Sprung tut, wenn ich bloß an sie denke, es dann aufs Cover schaffen. Das war bei Galway in Irland so, das war bei Triest in Italien so, und das ist heute in der aktuellen freizeit-Ausgabe auch beim Mondsee so. Kaufen Sie sich einfach den Kurier und schauen und lesen sie selbst.

Der Mondsee also. Sie werden in der Story ganz ordentlich was über diesen unterschätzten See erfahren. Sie werden etwa von der längst verstorbenen Operettendiva erzählt bekommen, die lange ein Bootshaus an seinen Ufern gepachtet hatte, vom Medienmogul und seiner Protzvilla, vom Mitglied des saudischen Königshauses, und so weiter. Oder von der Besitzerin des Sees – denn ja, der Mondsee befindet sich tatsächlich im Privatbesitz einer Baronin – und deren freundlichem Kater Leander, den ich jedesmal ohne Ende streichle, wenn ich den Laden der Frau Baronin am Höribachhof besuche. Kurz erzähle ich Ihnen auch vom Skispringer Andreas Goldberger, der am Mondsee wohnt. Ich traf ihn schon vor zwei oder drei Jahren für eine Geschichte „Wohnen am Golfplatz“ (mehr oder weniger direkt am See befinden sich gleich zwei Golfplätze) für die Golfrevue, Sie können das hier nachlesen.

Mütterlicherseits bin ich ja, wiewohl in Graz geboren und aufgewachsen, ein Mondseer. Das hat Vorteile. So ließ ich mich von zwei mir bekannten seekundigen Einheimischen, danke V und F!, per Schiff die Ufer entlang chauffieren und mir Geschichten und Geschichterln erzählen. Ein wenig davon finden Sie in der Story in der heutigen freizeit wieder. Was dort allerdings nicht drin steht, ist dieses Dingsbums mit den Namen, das beim Mondsee manchmal schon irgendwie ein wenig seltsam ist.

Allein der See-Name: Gleich zwei Legenden versuchen, ihn zu erklären, doch keine von beiden ist wahr.

Da gibt es zum einen die Story vom alten Herzog Odilo, der das Kloster in Mondsee irgendwann im 12. Jahrhundert gegründet hatte und sich bei einem Jagdausflug verzettelte. Es wurde dunkel und plötzlich musste er sein Pferd antreiben, weil es partout nicht weiter wollte. Da trat der Mond aus den Wolken, beleuchtete die Szenerie, und Odilo erkannte: Er befand sich keine zwei Schritte vom Grat der Drachenwand entfernt und wäre abgestürzt, hätte nicht der Mond … Zum Dank gründete er das Kloster und den Ort, daher der Name. Die andere Geschichte ist weniger einfallsreich: Von oben betrachtet hat der See entferntest die Form eines Halbmondes. Wie gesagt, stimmt beides nicht. Vielleicht erzähle ich Ihnen den wahren, völlig unprosaischen Ursprung des Seenamens irgendwann in einem anderen Blogpost. Oder Sie kommen mich am See besuchen, erhalten auf der Terrasse meiner winzigen Sommerwohnung einen Gin Tonic oder was immer Sie wollen, oder Sie gehen mit mir Segeln, und ich erklär´s Ihnen.

Wie gesagt jedenfalls – Namen, die sind am und um diesen See manchmal ein bissl kurios. Zum Beispiel der Ortsteil „Schwarzindien“. Woher das kommt, wird im freizeit-Kurier erklärt. Aber es gibt noch andere: Zum Beispiel den Ort „Ort“ am unteren Seeende. Oder jenen Ortsteil der Gemeinde „Tiefgraben“, die von einem tiefen Graben so weit entfernt ist wie ich vom Pulitzerpreis, der „Am See“ heißt. Die Adresse „Am See 1“ gehört einem Nachbarn von mir, dessen Haus keineswegs am See liegt. Oder da gibt es jene Straße, die das gesamte Ostufer des Mondsees entlang führt und kurioserweise „Atterseestraße“ heißt. Genau so, wie die Straße am Westufer des Mondsees „Wolfgangseestraße“ heißt. Es gibt den Hilfberg, der kein Berg ist. Den Kulmspitz, der nicht spitz ist. Das Helenental, das weder ein Tal ist, noch in dem eine Helene wohnt. Den Schafberg, auf dem keine Schafe weiden. Die Ufer am unteren Ende des Mondsees gehören zur Gemeinde Unterach, die am Attersee liegt, und zur Gemeinde St. Gilgen, die am Wolfgangsee liegt, der eigentlich Abersee heißt – aber nicht zur Gemeinde Mondsee, die am Mondsee liegt. Der Mondseer Ortsteil „Schlössl“ beherbergt kein Schloss, auch kein kleines. Und so weiter. Aber lassen wir das jetzt.

Was ich eigentlich sagen möchte: Bitte kaufen Sie sich doch den Kurier von heute und lesen Sie über jene Gegend, in der ich im Sommer lebe und die wunderschön ist.

Um schnell noch einmal zum Anfang dieses Blogposts zurückzukehren (wir Schreiber nennen so etwas eine dramaturgische Klammer): Jetzt, wo Europa wieder aufsperrt und wir alle touristisch neuerlich grenzüberschreitend aufeinander losgelassen werden, kann sich die arme M vom freizeit-Kurier auf was gefasst machen – in mir haben sich während der Pandemiepause Tonnen von Ideen für Reisestories angesammelt, die da lagern und raus wollen …

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